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Uni-München
14. März 2017

Hauptseminar Mehrsprachigkeit in der Romania Ibero und Dakoromania

Mehrsprachigkeit – verstanden als -Zustand einzelner Personen oder einer sozialen Gemeinschaft, die sich bei der täglichen Kommunikation mehrerer unterschiedlichen Sprachen bedienen- (Metzler Lexikon Sprache, 2010) – stellt eine Konstante in der Geschichte der Ibero- und der Dakoromania dar. Auf der...

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Mehrsprachigkeit – verstanden als -Zustand einzelner Personen oder einer sozialen Gemeinschaft, die sich bei der täglichen Kommunikation mehrerer unterschiedlichen Sprachen bedienen- (Metzler Lexikon Sprache, 2010) – stellt eine Konstante in der Geschichte der Ibero- und der Dakoromania dar. Auf der Iberischen Halbinsel gab es im Mittelalter in den nicht von den Arabern beherrschten christlichen Gebieten des Nordens fünf konkurrierende romances – das Galicisch-Portugiesische, das Asturisch-Leonesische, das Kastilische, das Navarro-Aragonesische und das Katalanische – , dazu noch die nichtindogermanische Sprache der Basken. Das Lateinische fungierte als Schriftsprache. Im Laufe der Reconquista wurden das Kastilische und das Portugiesische zu Sprachen mit maximalem Kommunikationsradius, ohne allerdings die anderen romanischen Sprachen (mit Ausnahme des Navarresischen) zu beseitigen. Im Süden und im Zentrum teilten sich den Nähebereich seit der islamischen Eroberung (711) arabische Dialekte und das mozarabische romance. Während dieses im 13. Jh. verschwand, wurde Arabisch in Spanien noch über das Ende der Reconquista hinaus (Vertreibung der Mudéjares, 1609-1614) gesprochen. Als Distanzsprachen (Schriftsprachen) fungierten das Latein der Christen, das Arabische und das Hebräische der jüdischen Bevölkerung. Spanien war auch in der Neuzeit und ist bis heute ein mehrsprachiges Land, in dem neben dem Kastilischen (Staatssprache) das Galicische, das Asturianische, das Aragonesische, das Aranesische, das Katalanische und das Baskische gesprochen werden. In Portugal, das während der Personalunion (1580-1640) eine Periode der Zweisprachigkeit erlebte, konnte sich das Portugiesische endgültig durchsetzen. Im äußersten Nordosten wird außerdem bis heute auch Mirandesisch gesprochen. Mehrsprachigkeit ist auch in der Dakoromania ein jahrhundertelanges Phänomen. Nach der Einwanderung der Slawen (6. Jh.) und bis zu ihrer Assimilierung durch die romanische Bevölkerung (spätestens im 12. Jh.) koexistierte das Romanische mit dem Altslawischen. Seit dem 10. Jh. fungierte das Altkirchenslawische als Distanzsprache (Kirchen-, Kultur- und Verwaltungssprache), während das Rumänische bis im 15. Jh. auf den Nähebereich (Sprechsprache) beschränkt blieb. In Siebenbürgen teilten sich den Nähebereich das Rumänische, das Ungarischen (seit dem 10. Jh.) und das Deutsche (seit dem 12. Jh.). Gegen Ende des 17. Jh.s ersetzte das Rumänische endgültig das Altkirchenslawische im Distanzbereich. Schon seit der ersten Hälfte des 18. Jh.s wurde allerdings in der Moldau und der Walachei während der Phanariotenzeit (1711-1821) nicht nur das Rumänische, sondern auch das Neugriechische verwendet. Gegen Ende des 18. Jh.s und vor allem im 19. Jh. sprach die Aristokratie auch Französisch. Einwanderung und wiederholte -Korrekturen- der rumänischen Grenzen führten auch dazu, dass Rumänien zu einem multiethnischen Land wurde. Heutzutage werden in diesem Land neben der Staatssprache Rumänisch verschiedene nichtromanische Minderheitensprachen gesprochen, darunter Ungarisch, Deutsch, Romani, Tatarisch, Serbisch, Slowakisch, Bulgarisch, Polnisch, Armenisch. Da die Mehrsprachigkeit eine Konstante in der Geschichte der Ibero- und der Dakoromania darstellt, wird sie in diesem Seminar nicht nur synchron, sondern auch diachron untersucht. Apeltauer, Ernst (2001): -Bilingualism – Mehrsprachigkeit-, in: Helbig, Gehard/Götze, Lutz/Henrici, Gert/Krumm, Hans-Jürgen (Hrsg.): Deutsch als Fremdsprache. Ein internationales Handbuch, 1. Halbband, Berlin/New York, 628-638. Bollée, Annegret/Neumann-Holzschuh, Ingrid (2008): Spanische Sprachgeschichte, Stuttgart. Bossong, Georg (2007): Das maurische Spanien: Geschichte und Kultur, München. (Beiträge in) Cano Aguilar, Rafael (coord.) (2004): Historia de la lengua española, Barcelona. Doppelbauer, Max/Cichon, Peter (2008): La España multilingüe. Lenguas y políticas lingüísticas de España, Wien. Ivnescu, Gheorghe (1980): Istoria limbii române, Iai. Jacob, Daniel/Kabatek, Johannes (esd.) (2001): Lengua medieval y tradiciones discursivas en la Península Ibérica: descripción gramatical – pragmática histórica – metodología, Frankfurt a.M./Madrid. Merlan, Aurelia (2012): Sprachkontakt und Sprachenwechsel im portugiesisch-spanischen Grenzgebiet: das Mirandesische, Frankfurt a.M. u.a. Zinovieff, Maurice (1980): Le paysage linguistique de la Roumanie, Paris. Anmeldung Bitte beachten Sie die vorgezogene Belegfrist für Seminare: 13.07.2016 - 25.07.2016 Weitere Infos zur Belegung im Prospektschrank (Schellingstr. 3 (VG), Flur 5. Stock) Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation LMU München WiSe 1617 PD Dr. Merlan Aurelia