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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar mit Tutorium Gefängnisliteratur

-Heute haben sie es im Knast auf unseren Geist abgesehen – während sie uns früher mit körperlichen Torturen fertigmachten.- (Jack Henry Abbott: Mitteilungen aus dem Bauch der Hölle, 1982; engl. In the Belly of the Beast. Letters from Prison, 1981)...

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-Heute haben sie es im Knast auf unseren Geist abgesehen – während sie uns früher mit körperlichen Torturen fertigmachten.- (Jack Henry Abbott: Mitteilungen aus dem Bauch der Hölle, 1982; engl. In the Belly of the Beast. Letters from Prison, 1981) Pointiert benennt der US-amerikanische Langzeithäftling J.H. Abbott eine Zäsur des ‚zivilisierten‘ Strafvollzugs. Gefängnis und Gefangenschaft als (biopolitische) Disziplinierung von Menschen durch eine souveräne Macht, die persönliche Freiheit einschränkt, die innere wie äußere Selbstbehauptung des Gefangenen herausfordert, Körper-Seele-Geist des Delinquenten aber auch einer Katharsis zuführen kann – um literarische Gefängnis- und Hafterfahrungen geht es in dem Seminar. Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen die schreibgebundene ‚Innenweltproduktion‘ von Gefangenen (Stichwort: innere Freiheit), Umbrüche in der Strafpraxis (Stichworte: Evolution der Straf- u. Machtpraktiken) sowie eine Typologie der Gefängnisliteratur. Das Lektürespektrum spannt einen Bogen von Platons Kriton-Dialog, Christian Daniel Friedrich Schubarts Gefängnisgedichten, den autobiographischen Aufzeichnungen des Friedrich Freiherrn von der Trenck und Fritz Reuters über Briefe und Kassiber von Eingekerkerten und Gefangenen im 20. Jahrhundert hin zur Knastpoetik und -philosophie eines Jack Unterweger und Jack Henry Abbott. Theoretische Anregungen beziehen wir aus Michel Foucaults Geburtsgeschichte des Gefängnisses (Überwachen und Strafen, 1975) sowie Sigrid Weigels Untersuchung zu den Schreibweisen von Gefangenen, in Gefängnissen (-Und selbst im Kerker frei…!- Schreiben im Gefängnis. Zur Theorie und Gattungsgeschichte der Gefängnisliteratur 1750-1933, 1982). Ein wöchentlich stattfindendes Tutorium begleitet und komplementiert das Seminar. Primär- und Sekundärliteratur werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben, z.T. als PDF-scans per Moodle zur Verfügung gestellt. Zur Einstimmung bitte lesen: wikipedia-Eintrag »Gefangenenliteratur« http://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenenliteratur (letzter Zugriff 08.2012) + Ankündigungstext für die am 27. September 2012 im Marbacher Literaturmuseum der Moderne eröffnende Ausstellung »Kassiber. Verbotenes Schreiben« http://www.dla-marbach.de/aktuelles/pressemitteilungen/2012/index.html?tx_ttnews[tt_news]=14744&tx_ttnews[backPid]=60981&cHash=45aca3fa83 Bemerkung LitWiss Das Tutorium findet Freitags von 12-14 Uhr statt. Der Raum wird bekanntgegeben. Voraussetzungen Einen Teilnahmenachweis zu erhalten, setzt voraus: 1.) Lesebereitschaft, aktive Seminarteilnahme und die Übernahme einer Gruppen-Patenschaft für eine Seminarveranstaltung, 2.) die Anfertigung eines zweiseitigen Assignmenttextes, 3.) die Teilnahme am Tutorium. Ein Leistungsnachweis kann durch Hausarbeit, Klausur oder mdl. Prüfung erworben werden. FB 02 Institut für Germanistik Einen Teilnahmenachweis zu erhalten, setzt voraus: 1.) Lesebereitschaft, aktive Seminarteilnahme und die Übernahme einer Gruppen-Patenschaft für eine Seminarveranstaltung, 2.) die Anfertigung eines zweiseitigen Assignmenttextes, 3.) die Teilnahme am Tutorium. Ein Leistungsnachweis kann durch Hausarbeit, Klausur oder mdl. Prüfung erworben werden. Uni Kassel WiSe 2012/13 Deutsch Dr. Münkner Jörn