Uni-München
14. März 2017Hauptseminar Unsichtbare Welten 8211 sichtbare Medien Apparative Wahrnehmung in Fotografie und Film des 19 und 20 Jahrhunderts
Mit der Erfindung der Fotografie in der Mitte und des Films am Ende des 19. Jahrhunderts erkannten Zeitgenossen schon frühzeitig das besondere Potenzial dieser neuen Medien, für den menschlichen Sehsinn nicht erkennbare Wirklichkeitsphänomene mittels der Kamera zu erfassen und sichtbar...
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Jetzt Lernplan erstellenMit der Erfindung der Fotografie in der Mitte und des Films am Ende des 19. Jahrhunderts erkannten Zeitgenossen schon frühzeitig das besondere Potenzial dieser neuen Medien, für den menschlichen Sehsinn nicht erkennbare Wirklichkeitsphänomene mittels der Kamera zu erfassen und sichtbar zu machen. Mit der Expansion des menschlichen Blicks durch das apparative Sehen, der sich daraus ergebenden Differenz zwischen Bild und Sinneseindruck und den so möglich werdenden neuen Seherfahrungen befasst sich das Hauptseminar -Unsichtbare Welten – sichtbare Medien-. Von Interesse ist dieses Gebiet auch deshalb, weil es auch die Konzeption künstlerischer Wahrnehmung in der bildenden Kunst immer wieder nachhaltig beeinflusst hat.
In dem Seminar werden u.a. folgende Themen behandelt:
- Während sich die Fotografie früh der Erkundung ephemerer Naturphänomene wie Wellen und Wolken zuwendet, deren präzise Gestalt sich zuvor der menschlichen Wahrnehmung entzogen hat, werden in der experimentellen Videokunst des 20. Jahrhunderts etwa elektromagnetische Wellen zum Gegenstand apparativer Darstellungspraktiken. Im Umfeld der -subjektiven fotografie- wird wiederum durch Versuchsanordnungen zur Darstellung von Lichtzeichnungen versucht, das Licht als Ausdruck einer künstlerischen Energie wiederzugeben.
- Die Eroberung des Luftraumes durch die Ballonfotografie ermöglicht erstmals Blicke auf Stadt und Landschaft aus einer Perspektive, die auf starre horizontfixierte Blickachsen zugunsten einer Dynamisierung des Bildraums verzichtet. Die hohe Beweglichkeit digitaler Kameras hat in jüngster Zeit wiederum eine bislang ungekannte Dynamisierung des filmischen Blicks ermöglicht.
- In der Physiologie bringt die Fotografie neue Einsichten in die Mechanik der Fortbewegung bei Mensch und Tier. Durch die Mikro- und Röntgenfotografie wird es darüber hinaus möglich, die Materie förmlich zu durchdringen, ihr verborgenes Innenleben bzw. ihre Oberflächenstruktur sichtbar zu machen. Die Filmtechnik der Zeitlupe macht indes ein -optisch Unbewusstes- sichtbar, das unsere Lebenswelt prägt, aber dem natürlichen Blick verborgen bleibt.
- Der einzelne, entscheidende Augenblick lässt sich im Fluss der natürlichen Wahrnehmung niemals festhalten. In der Tanz- und Reportagefotografie sowie im Sportfilm wird es hingegen möglich, genau diesen Moment herauszugreifen und zu fixieren.
Die Referate zu fotohistorischen Themen werden vor Originalen aus der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums gehalten. Eine endgültige Liste mit den Referatsthemen erhalten die Teilnehmer_innen am Beginn des Semesters.
Das Seminar findet an folgenden Blockterminen jeweils von 10:00 bis 18:00 statt: 01.06., 15.06., 13.07. Eine obgliatorische Vorbesprechung ist am 13.04. geplant. (Achtung: geänderte Termine!)
Aus Platzgründen ist das Seminar auf 12 Teilnehmer_innen beschränkt. Eine vorherige Anmeldung ist bis spätestens 16.03.2015 erforderlich unter:florian.leitner@lmu.de
Department Kunstwissenschaften
LMU München
SoSe 2015
Pohlmann Ulrich