Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Staatsutopien der Renaissance
Die Frage nach dem idealen Staat hat die Denker seit der Antike beschäftigt. Die Verwirklichung umfassender Gerechtigkeit, das Problem der politischen Führung, die Erziehung der Einzelnen und die Frage nach dem individuellen Glück sind zentrale Vorgaben, welche die Staatstheorie prägen....
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Jetzt Lernplan erstellenDie Frage nach dem idealen Staat hat die Denker seit der Antike beschäftigt. Die Verwirklichung umfassender Gerechtigkeit, das Problem der politischen Führung, die Erziehung der Einzelnen und die Frage nach dem individuellen Glück sind zentrale Vorgaben, welche die Staatstheorie prägen. In der Renaissance, d.h. in dem Zeitraum zwischen Mittelalter und Neuzeit (ca.1350 bis1600), werden die Theorien des besten Staates in bewusster Anlehnung an die Antike aufgegriffen und neu diskutiert. In diesem Zusammenhang verstehen sich Niccolò Machiavelli (Der Fürst), Thomas Morus (Utopia), Tommaso Campanella (Sonnenstaat) und Francis Bacon (Neu-Atlantis) als Vertreter frühneuzeitlicher Staatstheorien, durch die die bis dahin vorliegenden Interpretationsmöglichkeiten des Staates entschieden erweitert werden. So gilt etwa Machiavelli als der Schöpfer der modernen Staatswissenschaft, mit Thomas Morus’ Utopia hingegen entsteht der utopische Staatsroman, der einer eigenen literarischen Gattung den Namen verleiht.
Inhaltlich freilich weisen die genannten Entwürfe Gemeinsamkeiten, aber auch entschiedene Differenzen auf. Während den Autoren der Wille zur Reform der bestehenden Verhältnisse gemeinsam ist, entwickeln sie in der Auseinandersetzung um das Verhältnis von Machtstaat und Gemeinschaftsstaat sowie um die Verträglichkeit von Einzelwillen und Gesamtwillen kontrastreiche Lösungsvorschläge. Für Machiavelli dominiert die Kunst des machtbewussten politischen Handelns, während Morus eine Gesellschaft entwirft, die auf der Grundlage von Gemeineigentum und allgemeiner Bedürfnislosigkeit ein einfaches und glückliches Leben führt; Campanella vertritt einen enthusiastischen Kommunismus, der im Eigentum die Wurzel allen Übels erkennt und Bacon entwickelt, geleitet vom Glauben an den Nutzen der Wissenschaft, das Bild eines Wissenschaftsstaates mit einem eigenen Wissenschaftsethos.
Das Seminar versucht, auf der Grundlage von Lektüre die verschiedenen Positionen der Staatstheorie der Renaissance zu erarbeiten und ihre Bedeutung für die Neuzeit zu erkennen.
Textgrundlagen: Machiavelli, Niccolò, Der Fürst, aus dem Ital. von E. Merian-Genast, Universalbibliothek Nr 1218[2], Stuttgart (Reclam)1981. Der utopische Staat, Morus (Utopia), Campanella (Sonnenstaat), Bacon (Neu-Atlantis), übers. von K.J. Heinisch, Rheinbeck bei Hamburg (Rowohlt) 1960. Weitere Angaben werden in der Vorbesprechung bekannt gegeben
FB 02 Institut für Philosophie
Uni Kassel
WiSe 2013/14
Philosophie HF
Dr.
Bönker Vallon Angelika