Uni-Dortmund
14. März 2017Kolloquium Literatur und Medienwissenschaft Friedrich Kittler
Durch seine bahnbrechenden Monographien Aufschreibesysteme 1800/1900 (1985) und Grammophon – Film – Typewriter (1986) hat der 2011 verstorbene Gelehrte Friedrich Kittler die Kulturwissenschaften in international aufsehenerregenderweise revolutioniert. Sein Programm kommt dabei im sprichwörtlich gewordenen Titel eines von ihm 1980 herausgegebenen...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenDurch seine bahnbrechenden Monographien Aufschreibesysteme 1800/1900 (1985) und Grammophon – Film – Typewriter (1986) hat der 2011 verstorbene Gelehrte Friedrich Kittler die Kulturwissenschaften in international aufsehenerregenderweise revolutioniert. Sein Programm kommt dabei im sprichwörtlich gewordenen Titel eines von ihm 1980 herausgegebenen Sammelbandes zum Ausdruck: Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften. Das Programm dieses Programms war die Programmierung: die technikhistorische Bedingtheit der Möglichkeit zur Speicherung, Übertragung und Berechnung von Daten durch – manipulierbare – Medientechniken wie die vokalalphabetische Schrift – sei’s per Hand, sei’s im Druck, sei’s in der durch die Schreibmaschine mechanisierten Form –, Schallplatten, Tonbänder, Film, Radio, Fernsehen oder den alle diese Möglichkeiten in sich zusammenfassenden Computer. Jedes Subjekt muß beim Versuch seiner – sprachlichen oder medialen, in jedem Fall gerade deshalb imaginären – Selbstvergegenwärtigung auf solche Daten zurückgreifen und sieht sich durch ihre Technik programmiert. Darüber darf aber nicht vergessen werden, daß der Ausgangspunkt von Friedrich Kittlers Reflexionen, wie sehr sie von Anfang an auch der Psychoanalyse von Jacques Lacan und der Diskursanalyse von Michel Foucault verpflichtet waren, die literaturwissenschaftliche Germanistik ist.
Das Forschungskolloquium will deshalb in kürzeren, beschleunigten Schritten in der Diskussion ausgewählter Studien von Friedrich Kittler zu E. T. A. Hoffmanns Nachtstück -Der Sandmann- (1977), zu Bram Stokers Dracula (1982), zu Pink Floyds -Brain Damage- (1982), zu Friedrich Schillers Don Carlos (1984), zu Thomas Pynchons Gravity’s Rainbow (1985), zu Novalis’ Heinrich von Ofterdingen (1986), zum ‚Telegrammstil‘ (1986) und zur Frage, weshalb es keine Software gibt (1990), den Weg durchmessen, den er zwischen 1978 und 1990 von der Literatur- zur Medienwissenschaft zurückgelegt hat.
Wird in der 1. Sitzung in Form des Semesterprogramms bekannt gegeben. Einige der zur Diskussion stehenden Beiträge finden sich in der als Überblick, aber mit Vorbehalten gegen das Nachwort empfehlenswerten Sammlung von Friedrich A. Kittler, Die Wahrheit der technischen Welt. Essays zur Genealogie der Gegenwart, herausgegeben von Hans Ulrich Gumbrecht, Berlin: Suhrkamp Verlag 2013, ISBN 978-3-518-29673-8, € 18,00 (Preisangabe ohne Gewähr).
Institut für deutsche Sprache und Literatur
Anmeldung und Zulassung: Die Teilnahme an der 1. Sitzung ist ebenso obligatorisch, wie die regelmäßige Teilnahme an der Veranstaltung erwünscht, die sich an leidenschaftliche Leserinnen und Leser sowohl literarischer wie theoretischer Texte richtet.
Technische Universität Dortmund
WiSe 2013/14
Anmeldung Deutsch
3 Prof. Dr. A
Stingelin Martin 3 A