Uni-München
14. März 2017Kolloquium Neulateinische Colloquium Balde
Neulateinisches Kolloquium: Iacobus Balde, Liber epodon (10-21) Zusammen mit seinen Lyrica, die ihn zum berühmtesten Dichter Deutschlands in seinem Jahrhundert machten, veröffentlichte Jacobus Balde S.J., damals Hofhistoriograph in München, 1643 auch einen Liber Epodon in den Horaz entsprechenden, vorwiegend jambischen...
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Zusammen mit seinen Lyrica, die ihn zum berühmtesten Dichter Deutschlands in seinem Jahrhundert machten, veröffentlichte Jacobus Balde S.J., damals Hofhistoriograph in München, 1643 auch einen Liber Epodon in den Horaz entsprechenden, vorwiegend jambischen Vermaßen. Dass der zur jambischen Gattung gehörige Charakter einer scheltenden Vergeltung dem christlichen, auf Nächstenliebe verpflichteten Dichter nicht ganz angemessen ist, weiß er wohl. Das hält ihn aber nicht davon ab, dem Zeitgeist gemäß flammende Invektiven gegen -islamistische- Türken (epod. 1) und, religiös motiviert, auch Juden (14) zu verfassen. Ebenso zeitgebunden, aber amüsanter zu lesen ist eine Attacke auf Frauen und Ehe (12). Die nicht invektivischen Gedichte geben eine Palette von Themen religiöser und weltlicher Art: Balde befasst sich z. B. mit indischen Yogis bzw. Gymnosophistae (18), gibt schaurige Rezepte zum Schlankwerden in seinem real existierenden Münchner Magerkeitsclub (19) und erlebt an der Isar in einer telepathischen Vision (15) das Marienbild im Freisinger Dom, den er, wie die meisten Münchner, noch nie besucht hat. Wie fast stets bei Balde vermischen sich ernstes Anliegen und geistreicher Spaß, so dass wir als Leser ein Bild nicht nur der Zeit, sondern auch eines höchst originellen Genies erhalten. Obwohl die Epoden erst von Nr. 10 behandelt werden sollen, ist für Abwechslung gesorgt.
Unser Colloquium gibt jedem interessierten Studenten Gelegenheit, out of the mainstream erstklassige und höchst amüsante Literatur zu kennen zu lernen und sich eventuell ein eigenes, dankbares Forschungsgebiet zu erschließen. Gerade auch Anfänger sind willkommen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden zur Verfügung gestellt.
Literatur:
Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 1,261-308
Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998)
Eckard Lefèvre (Hg.), Balde und Horaz, Tübingen 2002 (Beiträge zu epod. 1; 14; 16)
Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004
Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006
Ulrich Winter (ed.), I. Balde: Liber Epodon, 2002
Digitalisat der Erstausgabe: http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10608718.html
Ausgabe von 1645: http://books.google.de/books?id=i2ATAAAAQAAJ&source=gbs_navlinks_s
Sammelausgabe von 1660: http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald1/te05.html
Kurzer Kommentar in: P. Müller O.S.B. (ed.), Balde: Carmina Lyrica, 1884 (http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10608720_00609.html).
Sonstige Teilausgaben und Sekundärliteratur sind zu erschließen über http://stroh.userweb.mwn.de/main7.html, dort A.12 und B.182a-185b.
Wiener, Claudia , Prof.Dr.
LMU München
SoSe 2015
Prof. Dr.
Stroh Wilfried