Uni-Siegen
14. März 2017Körpergeschichte im Mittelalter
Körper und Körperlichkeit im Mittelalter ist anders als in der Antike nicht an erster Stelle eine Frage von Ästhetik und Bewegung. Im frühen und hohen Mittelalter wird der menschliche Körper in der Kunst sehr reduziert dargestellt; Körperlichkeit in der Kunst...
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Jetzt Lernplan erstellenKörper und Körperlichkeit im Mittelalter ist anders als in der Antike nicht an erster Stelle eine Frage von Ästhetik und Bewegung. Im frühen und hohen Mittelalter wird der menschliche Körper in der Kunst sehr reduziert dargestellt; Körperlichkeit in der Kunst spielt erst seit dem späten Mittelalter wieder eine Rolle, nun zunächst immer noch wenig individualisiert, seit der beginnenden Renaissance in Auseinandersetzung mit antiker Kunst dann in voller Entfaltung der Möglichkeiten darstellender Kunst.
Wenngleich Körperlichkeit gewiß zu jeder Zeit eine Rolle im sozialen Miteinander gespielt haben wird, so ist doch das maßgeblicheVerständnis vom Körper im frühen und hohen Mittelalter theologisch begründet. Körper ist vor allem das corpus mysticum, der Leib Christi, der im Abendmahl zum Gedenken immer wieder neu dem gemeinsamen rituellen Mahl der Christen dient, das in in der katholischen Kirche der Priester allein einnimmt. Zugleich dient das corpus mysticum als Versinnbildlichung der Christenheit, sichtbar etwa in der Ebstorfer Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert, auf der die bekannte Welt als Körper Christi dargestellt ist. verandt mit diesen Vorstellungen etwa ist die Brautmystik, die die Kirche als Braut Christi sieht und hier schließlich wieder zurück findet auch zu einer gelegentlich erotischen Körperlichkeit.
Ein weiterer Aspekt des Körpers ist nach dem Tod sein Verbleiben auf Erden. Der Körper des Heiligen findet besondere Verehrung, gerade weil er eine Verbindung zum Himmel darstellt, denn der Geist des Heiligen wird verbreitet als bereits bei Gott seiend gedacht.
Die Veranstaltung hat die Aufgabe, die Rolle des Körpers in einer stark jenseitsorientierten und von mystischen Vorstellungen durchdrungenen Gesellschaft verständlich zu machen und den damit verbundenen Symbolismus als Charakteristicum dieser Gesellschaft und ihres Weltbildes zu erklären.
Studierende, die diese Veranstaltung als epochenverbindendes Prüfungsmodul im Modul 9 LA GYM benötigen, werden bevorzugt zugelassen.
Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Darmstadt 1997
Geschichte - Mittlere und Neuere Geschichte
Universität Siegen
WiSe 2011/12
Dr.
Strothmann Jürgen