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14. März 2017Krise oder Formwandel der Demokratie Von der Postdemokratie zur simulativen Demokratie
Diverse Transformationsdiagnosen über den Zustand der westlichen Demokratien sind seit geraumer Zeit im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs. Wie und warum hat sich eigentlich die moderne, repräsentative Demokratie in den letzten zwei bis drei Dekaden verändert? Befindet sich die Demokratie am...
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Jetzt Lernplan erstellenDiverse Transformationsdiagnosen über den Zustand der westlichen Demokratien sind seit geraumer Zeit im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs. Wie und warum hat sich eigentlich die moderne, repräsentative Demokratie in den letzten zwei bis drei Dekaden verändert? Befindet sich die Demokratie am Anfang des 21. Jahrhunderts in einer schweren Krise oder nur in einem Formwandel? Was implizieren die Begriffe Demokratiemüdigkeit, Repräsentationskrise, Fassadendemokratie und Lobbykratie? Demokratietheoretisch geht es hierbei auch um die zentrale Frage, was -Demokratie- heute noch heißen kann bzw. was sie bedeuten sollte.
Im folgenden Seminar soll ein einführender Überblick über die postdemokratietheoretischen Debatten der Gegenwart gegeben werden. Dabei steht die Frage nach den gegenwärtigen Entwicklungstendenzen unserer westlichen Demokratien und Gesellschaften im zentralen Fokus des Seminars. In Zeiten von sozialen, ökonomischen und staatlichen Krisenphänomenen wenden sich bestimmte Sozialwissenschaftler und Philosophen der Frage zu, inwieweit sich die liberalen Demokratien des Westens in einem Entdemokratisierungsprozess befinden. Haben wir es mit stetigen postdemokratischen Metamorphosen (Rancière , Crouch, Mouffe) zu tun, die innerhalb der europäischen Krise (-Experto- und Technokratie-) ersichtlich sind? Oder behalten die Kritiker der Postdemokratietheorien (Blühdorn, Beyme, Lamla) Recht, die vielmehr einen Formwandel der Demokratie in eine simulative Demokratie, Neodemokratie oder Verbraucherdemokratie diagnostizieren?
Gemeinsam untersuchen wir die Thesen der Postdemokratietheoretiker und ihrer Kritiker, um anschließend den Versuch einer Transformationsdiagnose der heutigen Demokratie formulieren zu können.
Es werden Primärtexte u.a. von Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Jacques Rancière, Colin Crouch, Oliver Marchart, Ingolfur Blühdorn, Jörn Lamla und Klaus von Beyme gelesen, analysiert und diskutiert.
Das Seminar ist als Lektürekurs konzipiert, d.h. die Bereitschaft zum analysierenden Lesen wissenschaftlicher Literatur (jede Woche bis zu 30 Seiten) und die Beteiligung an intensiven Diskussionen in den Sitzungen gelten als Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme.
Über den Semesterapparat und moodle wird die Literatur für alle TeilnehmerInnen zur Verfügung gestellt.
Bestimmte Leistungspunkte können je nach Studiengang durch Essays und eine schriftliche Hausarbeit erworben werden.
Beyme, Klaus von (2013): Von der Postdemokratie zur Neodemokratie. Wiesbaden
Blühdorn, Ingolfur (2013): Simulative Demokratie. Neue Politik nach der postdemokratischen Wende. Berlin
Crouch, Colin (2008): Postdemokratie. Frankfurt a. M.
Laclau, Ernesto/Mouffe, Chantal (2012): Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus. 4.Auflage. Wien
Lamla, Jörn (2013): Verbraucherdemokratie. Politische Soziologie der Konsumgesellschaft. Berlin
Marchart, Oliver (2010): Die politische Differenz. Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben. Berlin
Marchart, Oliver (2013): Das unmögliche Objekt - Eine postfundamentalistische Theorie der Gesellschaft. Berlin
Mouffe, Chantal (2007): Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illussion. Frankfurt a. M.
Mouffe, Chantal (2014): Agonistik. Die Welt politisch denken. Berlin
Rancière, Jacques (2002): Das Unvernehmen. Politik und Philosophie. Frankfurt a. M.
Politikwissenschaft - Internationaler Vergleich und politische Theorie
Beachten Sie, dass Sie diesen Kurs nach den Prüfungsordnungen ab 2011 nicht besuchen dürfen, wenn Sie die für dieses Modulelement laut Fachspezifischen Bestimmungen und Modulhandbuch notwendigen Voraussetzungen noch nicht erfüllen.
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