Uni-Siegen
14. März 2017Krisenkommunikation in der Inszenierungsgesellschaft
Lernziel: Krisen (etwa Krieg, Erdbeben, Hungersnöte, Überschwemmungen) gehören zum festen Repertoire der Medienproduktionen und zur Mediennahrung unseres Alltagslebens. Der Medienphilosoph Norbert Bolz betont daher zu Recht: »Mit dem Wort ›Krise‹ simplifiziert und politisiert man hohe Komplexität. Das heißt im Klartext:...
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Krisen (etwa Krieg, Erdbeben, Hungersnöte, Überschwemmungen) gehören zum festen Repertoire der Medienproduktionen und zur Mediennahrung unseres Alltagslebens. Der Medienphilosoph Norbert Bolz betont daher zu Recht: »Mit dem Wort ›Krise‹ simplifiziert und politisiert man hohe Komplexität. Das heißt im Klartext: Die Krise ist nicht Ausnahmezustand, sondern Normalform unserer modernen Existenz.« Krise ist also immer. Das widerspricht zwar der Definition des Begriffs, aber nicht der Logik der Medien. Krisen werden in den Medien v.a. durch drei Strategien inszeniert: durch (1) Sensationalisierung und (2) Skandalisierung der Wirklichkeit, die zumeist mit einer drastischen (3) Angstrhetorik thematisiert werden. Es sind gerade die Medien, die bestimmte Ängste schüren und versuchen, Kollektiv-Ängste zu generieren und zu synchronisieren, wie etwa die Angst vor Terrorismus oder vor Krankheiten.
Medien versorgen uns aber nicht nur mit Informationen, die irritieren, erregen und v.a. ängstigen, sondern auch mit speziellen Ordnungs- und Sicherheitsschemata, die stabilisieren, orientieren und beruhigen: Der strukturelle Negativismus der Massenmedien wird durch Moralisierung kompensiert. Die eigentliche Botschaft der medialen Krisenrhetorik lautet letztlich: Die Rhetorik bleibt konstant, die Ereignisse können (und müssen) wechseln (vgl. Marcus S. Kleiner, Medien-Heterotopien. Diskursräume einer gesellschaftskritischen Medientheorie, Bielefeld 2006, S. 344-361).
Im Seminar wird, anhand von (diskursiven und empirischen) Medienanalysen und fokussiert auf die Themen Terrorismus, Bevölkerungsdiskurs und Naturkatastrophen, konkret untersucht, wie die Medienberichterstattungen zu diesen Themen vor allem in Deutschland, aber auch in England und Amerika aussah.
Anforderungen:
Im Zentrum des Seminars stehen Textarbeit, Theoriediskussion, Fallanalysen und Recherche. Es wird daher von allen Teilnehmern erwartet, dass sie regelmäßig am Seminar teilnehmen, die jeweilige Basislektüre gründlich vorbereiten, sich aktiv an der Diskussion beteiligen und bereit sind, eine Seminarpräsentation und/oder Recherche zu übernehmen.
Basisliteratur:
Ein virtueller Reader mit allen Texten, die im Seminar behandelt werden, wird auf Moodle bereitgestellt.
Medienplanung, Diplom II, PO 2001
Universität Siegen
SoSe 2010
Medienwissenschaft
Dr.
Kleiner Marcus S