Uni-München
14. März 2017Lektürekurs Literaturtheorie Jacques Derrida Politik der Freundschaft
-Gute Freunde kann niemand trennen./ Gute Freunde sind nie allein.- - so ‚sang‘ vor Jahrzehnten einer, der es aufgrund seiner symbolischen Autorität eigentlich wissen musste, nannte man ihn doch schon früh ehrfürchtig -Kaiser-. Interessanterweise beschwor -Kaiser- Franz Beckenbauer die unverbrüchlichen...
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Jetzt Lernplan erstellen-Gute Freunde kann niemand trennen./ Gute Freunde sind nie allein.- - so ‚sang‘ vor Jahrzehnten einer, der es aufgrund seiner symbolischen Autorität eigentlich wissen musste, nannte man ihn doch schon früh ehrfürchtig -Kaiser-. Interessanterweise beschwor -Kaiser- Franz Beckenbauer die unverbrüchlichen Bande echter Freundschaft im Kontext eines Werbesongs für die ‚Deutsche Fernsehlotterie‘: -einmal fünf Mark für jeden,/ das ist doch nicht die Welt.- - Ewige Freundschaft und Glücksspiel: das ist eine bedenkenswerte Konstellation, die auf die Wechselfälle der Freundschaft und der ihr gewidmeten Diskurse hinweisen helfen kann. Und vielleicht dürfte es gerade ein Fußballer gewesen sein, der davon ein Lied singen konnte, weil ein solcher sowohl von der Losung -Elf Freunde müsst ihr sein!- sich angerufen fühlt, und zugleich darum weiß, dass gleich auf der Bank, bei den Ersatzspielern, die Zone der Feindschaft beginnt.
Nun ist des Kaisers neueres Lied nur eine Fußnote im langen Nachdenken über Freundschaft, das seit Platon und Aristoteles nicht aufgehört hat, sich in Stellung zu bringen. Von der Polis bis zur Global Village von Facebook wird der Freundschaftsdiskurs von perennierenden Fragen umgetrieben: Was und wer ist ein Freund? Wieviele Freunde kann man haben? Was unterscheidet die Lebensform -Freundschaft- von anderen Formen der Vergemeinschaftung? Wie verhalten sich die Begriffe Freund und Feind zueinander?
Dass derartige Fragen, so vertraut sie (und gewisse auf sie gegebene Antworten) auch erscheinen mögen, eine Unzahl von ontologischen, politischen, ökonomischen, gendertheoretischen und rhetorischen Problemen, Implikationen und Aporien mit sich führen, dokumentiert Jacques Derrida in seinen umwegigen Lektüren überlieferter Freundschaftsdiskurse von Platon, Aristoteles und Cicero über Montaigne bis hin zu Carl Schmitt und Martin Heidegger. Mit der ihm eigentümlichen Insistenz kreist Derrida dabei um -Worte(n) Montaignes, die ein von Aristoteles überliefertes Wort zitieren: ‚O meine Freunde, es gibt keinen Freund‘.- - Dieser paradoxale Ausruf führt ihn dann im Namen der Freundschaft zu weitreichenden und komplexen Ausführungen über nahe, ferne, fremde, anwesende und abwesende, lebende und tote Freunde. Derridas Konzept einer -Politik der Freundschaft- zeichnet dabei nicht zuletzt den Umriss einer ‚unbedingten Demokratie‘ jenseits gängiger/etablierter/hegemonialer Zugehörigkeiten und Genealogien (u.a. über die Dekonstruktion ‚androzentrischer‘ Vorstellungen von Freundschaft und Politik).
Der Lektürekurs setzt sich zum Ziel, Derridas voraussetzungsreichen dekonstruktiven Manövern in Sachen Freundschaft durch die genaue Lektüre ausgewählter Abschnitte auf die Spur zu kommen und sie kritisch zu diskutieren.
Textgrundlage:
Jacques Derrida, Politik der Freundschaft (1994), aus dem Franz. von Stefan Lorenzer, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2002.
Zur Einführung und Orientierung:
Susanne Lüdemann, Jacques Derrida zur Einführung, Hamburg (Junius) 2011.
Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen.
ECTS-Punkte:
3 ECTS, unbenotet
SLK: 3 ECTS, benotet
Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER
Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20).
Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
LMU München
SoSe 2016
Dr.
Bullmann Lars