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Uni-München
14. März 2017

Lektürekurs Literaturtheorie Sigmund Freud und die Literatur

Welche Rolle spielen literarische Bezüge bei der Entwicklung der zentralen psychoanalytischen Begriffe, und wie ist es diesen Begriffen in der Literaturwissenschaft ergangen? Ausgehend von solchen Fragen werden wir uns einigen klassisch gewordenen Lektüren Freuds widmen: Im Zentrum steht das psychoanalytische...

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Welche Rolle spielen literarische Bezüge bei der Entwicklung der zentralen psychoanalytischen Begriffe, und wie ist es diesen Begriffen in der Literaturwissenschaft ergangen? Ausgehend von solchen Fragen werden wir uns einigen klassisch gewordenen Lektüren Freuds widmen: Im Zentrum steht das psychoanalytische Vokabular, das er etwa anhand von Sophokles' König Ödipus, E.T.A Hoffmanns Der Sandmann und Wilhelm Jensens Gradiva entwickelt. Die grundlegenden Fragen sind die schwierigsten: Die beinahe umgangssprachliche Geläufigkeit freudscher Begriffe wie ‚Verdrängung‘, ‚Unbewusstes‘, ‚Libido‘ oder ‚Über-Ich‘ macht diese Texte nicht leichter zugänglich, im Gegenteil. Was wir hier an Begriffsarbeit vorfinden werden, ist selten deckungsgleich mit den im Umlauf befindlichen Vorstellungen darüber, worum es in der Psychoanalyse geht. So ist es zum Beispiel bei weitem nicht ausgemacht, wem in einer psychoanalytischen Literaturwissenschaft die Rolle des Patienten zukommen würde. Ist es der Autor, der ‚auf die Couch‘ gelegt wird, oder sind es die literarischen Protagonisten, deren Handlungen es figurenpsychologisch zu entschlüsseln gilt? Womöglich weder noch: in -Der Dichter und das Phantasieren- richtet Freud nicht zuletzt den Blick auf die Rezeption. Davon ausgehend könnte man auch den einzelnen Leser im Sinne literaturwissenschaftlicher Gegenübetragungsanalyse zum Gegenstand der Analyse erklären. Damit wären Sie selbst – ja genau: Sie! – Patientin oder Patient des Textes, und zwar besonders wenn Sie sich zum Text verhalten wie die aufgebrachte (oder bemüht unberührte) Person auf der Couch zur Analytikerin. Aber keine Angst: In der Literaturwissenschaft werden nicht immer Patienten benötigt, schließlich legt gerade die Psychoanalyse eine Methode des Lesens nahe, die den Text selbst in den Fokus nimmt, wenn auch nicht auf seinen manifesten Gehalt hin, sondern in Bezug auf Verborgenes, Verschwiegenes und latent Vorhandenes. Zumindest auf den ersten Blick ist eine solche Herangehensweise weniger bedrohlich. Es handelt sich um die Wiederholung des Wintersemester 2015–16 angebotenen Lektürekurses. Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen. ECTS-Punkte: 3 ECTS, unbenotet SLK: 3 ECTS, benotet Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München SoSe 2016 Dr. Willner Jenny