Uni-Essen
14. März 2017Seminar Die Ministerialbürokratie im Policy Prozess 8211 Koch oder Kellner
Welche Rolle spielt die deutsche Ministerialbürokratie im Policy-Prozess? Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Regierungszentralen und Ministerien loyale Diener von Regierung und Parlament oder – zugespitzt formuliert – die grauen Eminenzen des politischen Systems? Schon Max Weber wusste, dass -in...
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Jetzt Lernplan erstellenWelche Rolle spielt die deutsche Ministerialbürokratie im Policy-Prozess? Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Regierungszentralen und Ministerien loyale Diener von Regierung und Parlament oder – zugespitzt formuliert – die grauen Eminenzen des politischen Systems? Schon Max Weber wusste, dass -in einem modernen Staat (...) die wirkliche Herrschaft (...) notwendig und unvermeidlich in den Händen des Beamtentums- (1980: 825) liegt. Dennoch wurde das vor allem juristisch geprägte, instrumentelle Verständnis der Verwaltung als lediglich ausführendes Organ erst in den 1960er Jahren wissenschaftlich angefochten. So legte Grauhan beispielsweise dar, dass politische Entscheidungsprozesse in der Bundesrepublik häufig nicht der Logik einer -legislatorischen Programmsteuerung- (Grauhan 1969: 270) folgen, sondern eher umgekehrt verlaufen: -Das Parlament wird zum ratifizierenden Vollzugsorgan der Verwaltung- (Grauhan 1969: 272). Trotz dieser und weiterer empirischer Befunde bleibt die Frage nach dem Primat der Politik im Verhältnis zur Verwaltung umstritten. Hier setzt das Blockseminar an und fragt: -Die Ministerialbürokratie im Policy-Prozess – Koch oder Kellner?-
Die erste Sitzung (29.10.2015) dient der Vorstellung der Seminarinhalte, der Besprechung gegenseitiger Erwartungen, der Klärung der Prüfungsanforderungen sowie der Beantwortung allgemeiner technischer und organisatorischer Fragen. In den drei inhaltlichen Sitzungen (26.11.2015, 17.12.2015, 28.01.2016) wird zunächst auf die Strukturen der deutschen Ministerialbürokratie sowie die Rollenverständnisse ihrer Mitglieder eingegangen. Daran anknüpfend wird der Einfluss der Ministerialbürokratie auf den politischen Prozess entlang der Phasen des -Policy-Cycle- (Jann/Wegrich 2014) thematisiert. Die kritische Reflexion der Seminarinhalte im Rahmen einer Diskussion mit einer Vertreterin oder einem Vertreter aus der Praxis ist vorgesehen.
Der erfolgreiche Abschluss des Blockseminars erfordert das Verfassen einer Hausarbeit (ca. 5.000 Wörter) sowie eine mündliche Präsentation (ca. 30-40 Minuten) innerhalb des Seminars. Darüber hinaus wird die Bereitschaft zur Erstellung kleinerer schriftlicher Arbeiten, die regelmäßige und aktive Teilnahme an Seminardiskussionen sowie die intensive Vorbereitung der (teilweise englischsprachigen) Grundlagenliteratur erwartet. Politikwissenschaftliche Grundkenntnisse der politischen Strukturen und Prozesse der Bundesrepublik Deutschland sowie der Methoden der empirischen Sozialforschung und der Standards des wissenschaftlichen Arbeitens werden vorausgesetzt.
In der ersten Sitzung des Blockseminars wird ein ausführlicher Seminarreader zur Verfügung gestellt. Zur inhaltlichen Vorbereitung auf das Seminar empfiehlt sich die Lektüre folgender Titel, die allesamt in der Universitätsbibliothek am Campus Duisburg ausleihbar sind:
- Bogumil, Jörg/Jann, Werner (2009): Verwaltung und Verwaltungswissenschaft in Deutschland. Eine Einführung. 2., völlig überarbeitete Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
- Bogumil, Jörg/Jann, Werner/Nullmeier, Frank (Hrsg.): Politik und Verwaltung. Politische Vierteljahresschrift, Sonderheft 37/2006. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
- Mayntz, Renate/Scharpf, Fritz W. (1975): Policy-Making in the German Federal Bureaucracy. Amsterdam: Elsevier.
- Schnapp, Kai-Uwe (2004): Ministerialbürokratien in westlichen Demokratien. Eine vergleichende Analyse. Opladen: Leske + Budrich.
Sozialwissenschaften
Universität Duisburg-Essen
WiSe 2015/16
Powi B.A., Politikwissenschaft (Bachelor of Arts)
Wilharm Robin