Uni-München
14. März 2017Lektürekurs Weltliteratur Bibel
Inspirierte Zugänge zur und divinatorische Lektüren der Bibel machen sich gern auf die Suche nach dem -einen Geist- der Schrift. Wer aber über dieser Suche vergisst, dass er es beim biblischen Text zunächst einmal mit -vielen Buchstaben- zu tun hat,...
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Jetzt Lernplan erstellenInspirierte Zugänge zur und divinatorische Lektüren der Bibel machen sich gern auf die Suche nach dem -einen Geist- der Schrift. Wer aber über dieser Suche vergisst, dass er es beim biblischen Text zunächst einmal mit -vielen Buchstaben- zu tun hat, findet am Ende nur die imaginären Prämissen seines eigenen (Nicht-)Lesens bestätigt. Wenn das Wort, das am Anfang bei Gott war, in seinem Nachleben letztlich in die Hände von Literaturwissenschaftlern fällt, könnte eine frohe Botschaft für den biblischen Logos daher auch darin bestehen, als Schrift, als Text in seiner überkomplexen Textualität wahrgenommen zu werden. Das muss nicht gleich in literaturwissenschaftliche Hybris gegenüber theologisch interessierten Lektüren umschlagen; auch bedarf es nicht gleich der Posaunenstöße vom -religious-- bzw. -biblical turn-, um die literaturwissenschaftliche Lust am biblischen Text zu rechtfertigen. Das sogenannte -Buch der Bücher- gibt schlichtweg enorm viel zu lesen auf. Sie liefert Geschichten von einem Gott, der seinen Berufenen mitunter aufgibt, ihr eigenes Kind zu opfern, und es sich dann doch anders überlegt; der einen seiner Propheten anweist, eine Buchrolle zu verschlingen; der aus Wettleidenschaft dem Gerechtesten die härtesten Prüfungen auferlegt; der – im christlichen Teil – seinen Sohn am Kreuz über seine absolute Verlassenheit klagen lässt usw. John D. Caputo hat mit Recht bemerkt, dass die biblischen Geschichten von Ereignissen, Wendungen und Windungen erzählen, die denen von -Alice in Wonderland- nicht nachstehen. Und die soeben angerissenen Narrative sind nur der Gipfel von Golgatha. Nicht umsonst haben seit jeher Schriftsteller und Schriftstellerinnen im biblischen Text Fleisch von ihrem Fleisch erkannt und ihn stets aufs Neue zitiertes Wort werden lassen (darin besteht nicht zuletzt ein Gewinn der genauen Lektüre der Bibel: man lernt durch sie eine entscheidende Quelle und ein fundamentales Archiv besser kennen, aus denen sich die literarische Imagination speist).
Der Lektürekurs wird sich voraussichtlich vor allem folgenden Büchern widmen: Genesis, Exodus, einem der prophetischen Bücher, Hiob, dem Hohelied und den Evangelien. Einige Aspekte, Ergebnisse und Perspektiven der -Bible as Literature--Forschung sollen dabei flankierend zur Sprache kommen.
Zur Einführung und Orientierung:
John B. Gabel/ Charles B. Wheeler/ Anthony D. York, The Bible as Literature. An Introduction, Third Edition, New York/ Oxford (Oxford University Press) 1996.
Termine: 9.10.. 23.10., 6.11., 20.11., 4.12., 18.12.14, 15.1.15
ECTS-Punkte:
3 ECTS, unbenotet
SLK: 3 ECTS, benotet
Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
LMU München
WiSe 1415
Dr.
Bullmann Lars