Uni-Siegen
14. März 2017Listige Männer in der Literatur des Mittelalters Von Unibos zu Eulenspiegel
Männer sind in der Literatur des Mittelalters nicht nur tapfer, mutig und kampfstark, treu und beständig, sondern zeichnen sich meist auch durch Naivität, Unvorsichtigkeit und gedankliche Eindimensionalität aus. Sie bedürfen der Leitung, sei es durch Frauen, Verwandte oder Gott. Natürlich...
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Jetzt Lernplan erstellenMänner sind in der Literatur des Mittelalters nicht nur tapfer, mutig und kampfstark, treu und beständig, sondern zeichnen sich meist auch durch Naivität, Unvorsichtigkeit und gedankliche Eindimensionalität aus. Sie bedürfen der Leitung, sei es durch Frauen, Verwandte oder Gott. Natürlich gibt es Ausnahmen (Tristan), doch die bestätigen bekanntlich die Regel. Allerdings gilt dies nicht für komische Text: Hier ist es genau umgekehrt nur der Clevere, Listige, Kalkulierende siegt. Solche listigen Männer prägen die komische Literatur des Mittelalters, von den frühen lateinischen Texten wie dem Unibos, der von einem armen Bauern, welchen seine Widersacher um seinen Ochsen bringen wollen erzählt, der jedoch durch kluge Gegenlist alle zu besiegen vermag, über Erzählungen von cleveren Pfarrern wie des Strickers Der Pfaffe Amis bis zu den Historien des lantfarers Eulenspiegel, der bereits den Schelmenroman der Neuzeit antizipiert. Der spielerisch-agonale Wettbewerb zwischen vermeintlich Stärkeren und vermeintlich Schwächeren steht im Zentrum der kontrastiven Schwankkomik, sind es doch körperlich schwache Männer, die zu Helden werden und damit Aventiure- und Zweikampfschema der ritterlichen Helden parodieren.
Wir wollen eine Auswahl komischer Texte lesen, in denen listige Männer im Zentrum stehen und nicht allein die Inszenierungsweisen und Funktionen der Komik analysieren, sondern auch die spezifische Männlichkeit der Protagonisten näher betrachten.
Ein Reader mit Primärtexten wird vor Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.
Germanistik - Mediävistik
Universität Siegen
WiSe 2016/17
Univ.-Prof. Dr.
Velten Hans Rudolf