Uni-Siegen
14. März 2017Literatur und Praxeologie digitaler Populismen fällt aus
Populismus ist populär. Politolog*innen reagieren darauf mit einem verstärkten Angebot von theoretischen und empirischen Arbeiten (Jan-Werner Müller, Chantal Mouffe uvm. wären zu nennen). Populismus ist aber nicht ein auf das Feld der Politik begrenzbares Phänomen, sondern er mischt sich mit...
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Jetzt Lernplan erstellenPopulismus ist populär. Politolog*innen reagieren darauf mit einem verstärkten Angebot von theoretischen und empirischen Arbeiten (Jan-Werner Müller, Chantal Mouffe uvm. wären zu nennen). Populismus ist aber nicht ein auf das Feld der Politik begrenzbares Phänomen, sondern er mischt sich mit Praktiken der Pop- und Populärkultur; ja mehr noch: er speist sich auch zu einem guten Teil aus ihnen, aus ihren antielitaristischen Haltungen, ihren Narrativen und Steigerungslogiken, ihren Technologien, Mythen und Theorien, Taktiken und Strategien, und insbesondere auch aus ihrer Literatur.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Am 24. Januar 2016 behauptete die stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD in der Talkshow Anne Will, Angela Merkel plane, sich bald nach Chile abzusetzen. Da es gute Gründe gibt anzunehmen, dass diese Behauptung mehr ist als eine momentane Verwirrung, stellt sich die Frage: Was ist der (literarische) Stoff, der solche Positionen in populistischen Parteien auch nur disputabel werden lässt? Woher kommen solche Ideen und in welchem Umfeld können sie sich Plausibilität erarbeiten?
Vieles spricht also dafür, die gegenwärtige Konjunktur diverser Populismen aus literatur-, kultur- und medienwissenschaftlicher Sicht in den Blick zu nehmen. Dies ist aber alles andere als eine unterhaltsame Nebenbeschäftigung, sondern verlangt höchste Lese-Anstrengungen; nicht nur was die ästhetische Toleranz anbelangt, sondern auch in mengenmäßiger Hinsicht. Mit anderen Worten: Wer an diesem Seminar teilnimmt, auf die bzw. den wartet viel Arbeit.
Germanistik - Neuere deutsche Philologie, Medien- und Kulturwissenschaft
Universität Siegen
WiSe 2016/17
Dr. des.
Paßmann Johannes des