Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Typen interaktiver Spielsysteme Eine Handlungsanalyse von Konzerten der Populären Musik
Populäre Musik wird von zahlreichen KünstlerInnen und Künstlergruppen konstruktiv und regelhaft produziert und aufgeführt. Die Musikstücke bilden Episoden eines Konzerts und stellen das musikalische Ereignis dar. Sie werden nach ihrer Aufzeichnung verbreitet und in manchen Fällen kommerziell erfolgreich. Eine wissenschaftliche...
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Jetzt Lernplan erstellenPopuläre Musik wird von zahlreichen KünstlerInnen und Künstlergruppen konstruktiv und regelhaft produziert und aufgeführt. Die Musikstücke bilden Episoden eines Konzerts und stellen das musikalische Ereignis dar. Sie werden nach ihrer Aufzeichnung verbreitet und in manchen Fällen kommerziell erfolgreich.
Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Handlungen und Interaktionen, die während des musikalischen Ereignisses beim Konzert auftreten, findet nur sporadisch statt (z. B. Dollase et al. 1978; Johnson 1995; Qureshi 2006; Kalies et al. 2008, S. 298-302, 305-312; Neubauer 2015). Um einen grundlegenden Beitrag für die Performanceforschung zu leisten, sollen in diesem Forschungsseminar verschiedene Typen von Interaktionen explorativ generiert werden. Dazu wird zunächst das Verhältnis zwischen der gesellschaftlichen Erlebnisorientierung und der Unterhaltung erläutert, um anschließend die Aufführung/Performance von Musikstücken im Rahmen eines Konzerts der Populären Musik zu theoretisieren. Da der Musizierakt und die Aufführung/Performance von Musikstücken im Rahmen eines Konzerts der Populären Musik in vielerlei Hinsicht einem konstruktivistischen Spiel ähneln, ist das Ziel des Seminars, das musikalische Ereignis (Text) als Spielsystem zu modellieren und verschiedene Typen interaktiver Spielsysteme aufzuzeigen. Dazu wird der spielsystemtheoretische Ansatz des Philosophen Günter Ropohl (2012, S. 124) aufgegriffen. Er wird um Überlegungen zum Umgebungsbezug (Kontext) erweitert, die eine Analyse des Text-/Kontextverhältnisses ermöglichen sollen. Der empirische Teil des Seminars bezieht sich auf die Interaktion innerhalb der Echtzeithandlung. Dazu wirdanhand einzelfallanalytischer Untersuchungen (Mayring 2002, S. 41-46, 130f) von Konzertsequenzen eine typologische Analyse in Bezug auf die Handlungs- und Interaktionsformen des Spielsystems vorgenommen. Ergänzend wird eine Spielanteilanalyse (Neubauer 2015, S. 114f, 118f) angestrebt. Audiovisuelles Material von Bild- und Tonträgern (Live-Singles, Live-Alben), Dateien und webbasierten Videoportalen bildet dabei die Datengrundlage. Eine Studienleistung kann durch die Mitarbeit an der Datenerhebung, -aufbereitung, -auswertung und Präsentation der Ergebnisse erbracht werden. Sie ist Voraussetzung für die optionale Teilnahme an der Prüfung (Klausur). Dienstags, 12-14 Uhr, Universität Kassel, Institut für Musik, Mönchebergstraße 1, Raum 1012, 34125 Kassel (außer 24.11.2015), Seminarbeginn: 20.10.2015.
Dollase, Rainer; Rüsenberg, Michael; Stollenwerk, Hans J. (1978): Kommunikation zwischen Rockmusikern und Publikum. In: Jazzforschung 9, S. 89-108.
Johnson, James H. (1995): Listening in Paris. A Cultural History. Berkeley: University of California Press.
Kalies, Christoph; Lehmann, Andreas C.; Kopiez, Reinhard (2008): Musikleben und Live-Musik. In: Bruhn, Herbert; Kopiez, Reinhard; Lehmann, Andreas C. (Hg.): Musikpsychologie. Das neue Handbuch. 3. Auflage 2011. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, S. 293-315.
Mayring, Philipp (2002): Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. 5., neu ausgestattete Aufl. Weinheim: Beltz (Beltz Studium).
Neubauer, Hendrik (2015): Erlebnissysteme. Umgebung, Funktion und Struktur der Aufführung von Liedern zeitgenössischer Humoristen. Universität Kassel: Dissertation.
Qureshi, Regula Burckhardt (2006): Musical Sound and Contextual Input. A Performance Model For Musical Analysis. In: Kaden, Christian; Mackensen, Karsten (Hg.): Soziale Horizonte von Musik. Ein kommentiertes Lesebuch zur Musiksoziologie. Kassel: Bärenreiter, S. 250-269.
Ropohl, Günter (2012): Allgemeine Systemtheorie. Einführung in transdisziplinäres Denken. 1., Aufl. Berlin: edition sigma.
FB 01 Institut für Musik
Uni Kassel
WiSe 2015/16
Musik
Dr.
Neubauer Hendrik