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14. März 2017Populismus und Diskurse des Politischen
Populus heißt auf Latein das (niedere) Volk, die Menge oder der Pöbel. Im Europa der -Krise(n)- scheint der Begriff des Populismus in Politik, Massenmedien und (teilweise) in der Politologie eine Konjunktur zu erleben. Feststeht, dass er in den meisten Kontexten...
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Jetzt Lernplan erstellenPopulus heißt auf Latein das (niedere) Volk, die Menge oder der Pöbel. Im Europa der -Krise(n)- scheint der Begriff des Populismus in Politik, Massenmedien und (teilweise) in der Politologie eine Konjunktur zu erleben. Feststeht, dass er in den meisten Kontexten pejorativ verwendet wird. Wer als Populist diffamiert wird, sei ein Demagoge, der -das Volk- gegen -die Elite- anstacheln bzw. für seine politischen Zwecke -verführen- will. Die Referenz zum Volk und die Spaltung der Gesellschaft in zwei Lager (-Volk- vs. -Elite/Establishment-) sind infolgedessen die notwendigen Mindestkriterien für einen populistischen Diskurs (Ernesto Laclau). So leicht ist dieser schillernde Begriff jedoch nicht zu erfassen. Der Populismus ist weltweit als Phänomen in verschiedenen Varianten und ist nicht nur in Demokratien anzutreffen.
Was ist eigentlich mit Populismus gemeint? Ist er eine Ideologie oder nur eine Diskursstrategie? Wird er nur von kleinen Protestparteien benutzt oder bedienen sich ihm auch etablierte Parteien und soziale Bewegungen? In welchem Verhältnis steht der Populismus zur repräsentativen Demokratie als Herrschaftsform moderner Gesellschaften? Welche verschiedenen Auffassungen von Populismus gibt es in der Politikwissenschaft? Mit diesen Hauptfragen wollen wir uns im Seminar beschäftigen, um aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive ein besseres Bild über dieses Phänomen, seine Praxis und seine Bedeutungen entwerfen zu können. Neben einführenden Theorien zum Populismus werden wir uns auch mit ausgewählten populistischen Partei-, Protest- und Mediendiskursen als Fallstudien auseinandersetzen, wie z.B. mit dem Linkspopulismus (SYRIZA, Podemos, Die Linke), sozialen Protestbewegungen (Occupy Wall Street/New York, Movimiento 15-M/Madrid, Aganaktismenoi/Athen, StopTTIP, Stuttgart21, PEGIDA), dem Populismus oder Anti-Populismus etablierter Parteien aus der Mitte und dem Rechtspopulismus (AfD, FPÖ, Front National, PiS).
Das Seminar ist als Lektürekurs konzipiert, d.h. die Bereitschaft zum analysierenden Lesen (pro Woche 30 Seiten) politikwissenschaftlicher Literatur und die Beteiligung an intensiven Diskussionen in den Sitzungen gelten als Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme.
Über moodle wird die Primärliteratur für alle Studierende zur Verfügung gestellt. Weiterführende Literatur wird im Semesterapparat zu finden sein (Ebene 1, AR-Hauptbibliothek).
Bestimmte Leistungspunkte können je nach Studiengang durch Referate oder Essays (Studienleistung) und eine schriftliche Hausarbeit (Prüfungsleistung) erworben werden.
Canovan, Margaret (2005): The people. Cambridge: Polity.
Decker, Frank (Hg.) (2006): Populismus Gefahr für die Demokratie oder nützliches Korrektiv? Wiesbaden: VS Verlag.
Laclau, Ernesto (2005): On populist reason. London: Verso.
Mudde, Cas/Rovira Kaltwasser, Cristóbal (2016): Populism. Oxford: Oxford University Press.
Müller, Jan-Werner (2016): Was ist Populismus? Ein Essay. Berlin: Suhrkamp.
Priester, Karin (2012): Rechter und linker Populismus. Annäherung an ein Chamäleon. Frankfurt/Main: Campus.
Politikwissenschaft - Internationaler Vergleich und politische Theorie
Universität Siegen
SoSe 2016
Agridopoulos Aristotelis