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Uni-Siegen
14. März 2017

Politische Kommunikation in sozialen Netzwerken 8211 Herausforderungen und Chancen für Medienkompetenz und Politische Bildung

Die empirischen Befunde sind eindeutig: Wenn das Internet benutzt wird, besuchen die meisten User gleichzeitig Social Network Sites (SNS); in der Altersgruppe der 12-19jährigen sind sogar 70 Prozent in internetbasierte soziale Communities eingebunden, im Mittelpunkt der Internetnutzung Jugendlicher steht folgerichtig...

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Die empirischen Befunde sind eindeutig: Wenn das Internet benutzt wird, besuchen die meisten User gleichzeitig Social Network Sites (SNS); in der Altersgruppe der 12-19jährigen sind sogar 70 Prozent in internetbasierte soziale Communities eingebunden, im Mittelpunkt der Internetnutzung Jugendlicher steht folgerichtig Kommunikation. Auch wenn Kommunikation in sozialen Netzwerken nicht notwendig – ja faktisch sogar nur zu einem geringen Teil – als politische Kommunikation eingestuft werden kann, lässt sich die politische Indienstnahme der SNS nicht leugnen. Politische Akteure nutzen die Plattformen zur Selbstdarstellung, Protestaktivitäten unterschiedlichster Provenienz werden über Facebook organisiert und kommentiert, von der professionell geführten Kampagne im Wahlkampf einmal ganz zu schweigen. Von der optimistischen Warte aus gesehen bergen die dezentralen Kommunikationsstrukturen der SNS ein hohes Partizipations- und damit Demokratisierungspotenzial. Cyberpessimisten haben demgegenüber gute Gründe, in der penetranten Präsenz des ‚Gefällt mir’-Buttons einen weiteren Auswuchs einer medial gestützten Gefühls- und Stimmungsdemokratie zu sehen. Worauf sich aber alle ohne Mühen einigen können, ist die gravierende Veränderung im Spannungsfeld von Politik, Medien und Öffentlichkeit, die sich mit der Entwicklung des Internets hin zu einem Alltagsmedium ergeben hat. Konsens ist auch, dass die Funktionslogiken von Politik ohne die Auseinandersetzung mit der Medialisierung des Politischen nicht mehr zu vermitteln sind – und dass der Umgang mit der medienspezifischen Inszenierung von Politik und politischer Kommunikation erlernt werden muss. Insofern lässt sich Medienkompetenz – verkürzt formuliert – als Voraussetzung für politische Kompetenz beschreiben. Damit wird Medienkompetenz zum Gegenstand einer politischen Bildungsarbeit, die sowohl auf die Förderung von Partizipation und zivilgesellschaftlichem Engagement ausgelegt ist, als auch Sachwissen über politische Zusammenhänge vermitteln will. Wenn aber politische Informationsaufnahme in hohem Maße eher nebenbei im Alltag passiert und die Nutzung von SNS fest in den Alltag von Jugendlichen integriert ist, stellt sich unweigerlich die Frage, welche Chancen SNS für die Politische Bildung bieten. II. Zielsetzung Das Projekt widmet sich dem skizzierten Feld zwischen Politischer Kommunikationsforschung und Politischer Bildung und erarbeitet eine theoretisch fundierte und empirisch gestützte Handreichung für die medial und politisch kompetente Nutzung sozialer Netzwerke. Die Ergebnisse sollen in geeigneter Form veröffentlicht werden. Die beiden Konzepte -Medienkompetenz- und -Politische Bildung- sind jeweils in variierende Diskurse eingebunden, so dass es ratsam erscheint, mit einer Begriffsklärung zu beginnen. Für den Anfang soll heuristisch mit einem vielzitierten (pädagogischen) Konzept von Medienkompetenz gearbeitet werden. Dieter Baacke hat für diejenige Medienkompetenz, die in eine soziale Handlungskompetenz eingebettet ist, vier Dimensionen vorgeschlagen: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Auf dieser Basis sind die folgenden Themen durch eine Einzelarbeit oder in Zweierteams* (abhängig von Umfang) zu erarbeiten: 1) *Medienkompetenz in der Politischen Bildung. Eine theoretische und methodische Begriffsklärung Medienkritik 2) Demokratie im Medienzeitalter 2.0 3) Politik im Web: Kommunikation in neuen Öffentlichkeiten 4) Öffentlichkeit und Privatheit in sozialen Netzwerken Medienkunde 5) *Politische Akteure in sozialen Netzwerken. Eine inhaltsanalytische Bestandsaufnahme 6) *My English is not the yellow from the egg. Analyse parodistischer Formen politischer Kommunikation in sozialen Netzwerken. Mediennutzung 7) Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen mit Schwerpunkt auf den Online-Medien (Sekundäranalyse bereits vorhandener Analysen) 8) *Inhaltsanalyse der Themen politischer Kommunikation auf Facebook (vgl. Facebook: Memology 2011 – Top 10 Global Topics auf Facebook oder Stories/Politik). Mediengestaltung (Hier müssen Kriterien für Best-Practice-Beispiele entwickelt und dann auf dieser Basis Gegenstände für die Analyse recherchiert werden. Als Themen kommen ggf. in Frage: Analyse der Facebook-Auftritte von Greenpeace, Foodwatch, Amnesty International, Attac, Occupy, Initiative Bedingungsloses Grundeinkommen, Ärzte ohne Grenzen) 9) *Best-Practice-Beispiel I – Partizipation, Interaktion und Kooperation 10) *Best-Practice-Beispiel II – Protestakteure / NGOs Einstiegsliteratur ARD-Forschungsdienst: Nutzung und Funktionen von Social Communitys. In: Media-Perspektiven. H. 2. 2011, S. 115-120. Meckel, Miriam: Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. H. 39. 2008, S. 17-23. Münker, Stefan: Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0. Frankfurt/Main: suhrkamp 2009. Sarcinelli, Ulrich: Politische Kommunikation in Deutschland. Zur Politikvermittlung im demokratischen System. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2009. Darin: Bürger in der Mediendemokratie: Medienkompetenz und politische Bildung. S. 149-166. www.bpb.de Fakultät I - Philosophische Fakultät - Die Anmeldung zum Projekt findet vom 20.02. bis 16.03.2012 über das LSF statt. - Es werden maximal 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zugelassen. Bei Überbuchung werden die Studierenden auf die anderen beiden Projekte verteilt. - Parallel geben die Interessentinnen und Interessenten bei der Dozentin per Mail (sandra.nuy@uni-siegen.de) eine Präferenzrangfolge für bis zu drei Themen an. Auf dieser Basis werden die Themen bereits in der vorlesungsfreien Zeit vergeben, so dass bereits mit der Vorbereitung begonnen werden kann. - Das Projekt gilt als erfolgreich absolviert, sofern eine schriftliche Projektausarbeitung (= Beitrag für das Dossier) angefertigt worden und die Ergebnisse im Projektseminar präsentiert worden sind. Weiterhin sind Aufgaben im Rahmen der Organisation und Redaktion zu übernehmen. Die Länge der Aufsätze für das Dossier ist äquivalent zu Projektausarbeitungen im Umfang von 15 Seiten pro Person. - Präsentation und Redaktion/Organisation werden nicht benotet (Studienleistungen). Der Beitrag für das Dossier entspricht der Prüfungsleistung und wird benotet. - Redaktionsschluss für das Dossier ist am 10.09.2012. Die Beiträge müssen mit dem entsprechenden Vorlauf (gemäß projekteigenem Zeitplan) in ausgedruckter Form und zusätzlich via Mail bei Dr. Sandra Nuy (sandra.nuy@uni-siegen.de) eingereicht worden sein. Benotet wird diese Fassung – vor dem Lektorat durch die Redaktion. Universität Siegen SoSe 2012 Priv.-Doz. Dr. Nuy Sandra Priv Doz