Uni-Kassel
14. März 2017Projekt ZWISCHENDORF STATT ZWISCHENSTADT
Um die Dorferneuerung ist es ruhig geworden. Sie zählt gleichwohl weiterhin zu den expliziten Zielen der Landesministerien. Während seit Beginn des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Anläufen von Stadt- und Freiraumplanern bzw. Landschaftsarchitekten eine Dorfbild schonende Form der Modernisierung gesucht wurde...
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Jetzt Lernplan erstellenUm die Dorferneuerung ist es ruhig geworden. Sie zählt gleichwohl weiterhin zu den expliziten Zielen der Landesministerien. Während seit Beginn des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Anläufen von Stadt- und Freiraumplanern bzw. Landschaftsarchitekten eine Dorfbild schonende Form der Modernisierung gesucht wurde (z.B. im Programm -Unser Dorf soll schöner werden-, seit 1961 Umsetzungsprogramm der Ziele der -Grünen Charta von der Mainau-), begann an den Dorfrändern - analog zu den Stadträndern - eine bis heute anhaltende Erweiterung mit Baugebieten. Diese sind vornehmlich aus Einfamilienhäusern zusammengesetzt. Die Modernisierung innerhalb der Dörfer und insbesondere innerhalb der Bauernwirtschaften führte vor allem zum weitgehenden Verlust des bäuerlichen Wirtschaftslebens und damit zum Verlust der lebendigen bäuerlichen Kultur. Neue Daseinsformen wurden etabliert. In den Einfamilienhaus-Erweiterungen manifestieren sich am deutlichsten die zunehmenden Angestelltenverhältnisse der Dorfbewohner, aber auch in den älteren Dorfanteilen wird diese Tendenz sichtbar.
Die Geschichte der Modernisierung und Erneuerung hat verschiedenste materielle Spuren hinterlassen, auch in der Gestaltung der Freiräume und bis hinein in den Vegetationsbesatz. Immer war in den verschiedenen Programmen und Interventionen die Erhaltung dörflicher Eigenart wesentliches Ziel. Daraus resultiert der Versuch, die Fragmente der bäuerlichen Kultur (von den Gebäuden über die Freiräume bis hin zur Vegetation) aufrecht zu erhalten oder aber auch nach Vorstellungen zu gestalten und zu entwickeln, die einer bildungsbürgerlichen Version des Landlebens entsprachen.
-Unser Dorf soll schöner werden- und die -Grüne Charta von der Mainau- beide vom Deutschen Rat für Landespflege ins Leben gerufen, feiern 2011 ihren 50. Geburtstag. Dies zum Anlass nehmend, hat das Projekt im Wintersemester zum Ziel, die Geschichte der Vegetation in der Dorferneuerung zu rekonstruieren. Neben Literaturstudien und Textarbeiten werden Begehungen ausgewählter Dörfer (mit Teilkartierungen) vorgenommen, um die Geschichte unmittelbar an Beispielen nachvollziehen zu können.
Geplant ist, das Projekt im Sommersemester mit konkreten Planungen zur Pflege, Vegetationsentwicklung, Pflanzenverwendung fortzuführen.
Vorab empfohlene Literatur:
Landzettel, Wilhelm 1979: Häuser und Straßen. Dorfentwicklung in Hessen. Wiesbaden
oder ders. 1985: Dorferneuerung in Niedersachsen. Lamspringe
Grüne Charta von der Mainau (verfügbar als pdf bei verschiedenen Quellen im Internet, z.B. www.dnk.de/media/11a97122de4c96e - Zugriff am 15.06.2010)
Regional Impuls e.V. (Hg.) 1994: Medienkatalog Dorferneuerung. Karben
FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung
Uni Kassel
WiSe 2010/11
Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung
Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung
Univ.-Prof. Dr.-Ing.
Körner Stefan Ing