Uni-Kassel
14. März 2017Projektseminar Konflikte im Arbeitsalltag zwischen Mobbing und Protest Teil 2
Im Zuge der Finanzmarktkrise drängt gegenwärtig die Frage nach den Grenzen eines offensichtlich entgrenzten Kapitalismus ins öffentliche Bewusstsein. Während sich dabei die gesellschaftspolitische Debatte auf die Kontrolle und Regulierung von Managementhandeln verkürzt, versucht die Soziologie den beobachtbaren Gegenkräften, Solidarisierungen und...
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Jetzt Lernplan erstellenIm Zuge der Finanzmarktkrise drängt gegenwärtig die Frage nach den Grenzen eines offensichtlich entgrenzten Kapitalismus ins öffentliche Bewusstsein. Während sich dabei die gesellschaftspolitische Debatte auf die Kontrolle und Regulierung von Managementhandeln verkürzt, versucht die Soziologie den beobachtbaren Gegenkräften, Solidarisierungen und Widerstandspotentialen im entgrenzten Kapitalismus nachzuspüren.
Die Arbeitswelt ist dabei nicht nur - wie die Konkurse von Opel bis Schiesser zeigen - der Ort, an dem sich die Krisensymptome des Finanzmarktkapitalismus manifestieren, sondern auch der Erfahrungsraum, wo Beschäftigte mit den neuen Anforderungen und Belastungen dieses Systems in Berührung kommen. Die Arbeitsforschung dokumentiert deutlich, dass Beschäftigte derzeit mit -maßlosen- Leistungsanforderungen konfrontiert werden, die unter den Bedingungen unsicherer Beschäftigungsverhältnisse und niedriger Löhne zunehmend auch private Einbindungen unter Druck setzen und einen rasanten Anstieg psychischer Beanspruchungen und Erkrankungen nach sich ziehen. Inspiriert von dem amerikanischen Industriesoziologen Richard Edwards, der Konflikte um Arbeitsbedingungen als gesellschaftliche Grenze unternehmerischen Verwertungsstrebens interpretiert, werden wir in dem Seminar empirisch fragen, wo sich gegenwärtig soziale Konflikte um Arbeit manifestieren und welche Funktion ihnen zukommt.
Dabei setzen wir allerdings nicht an organisierten Protesten an, die sich zunehmend von praktischen Ungerechtigkeitserlebnissen vieler Menschen entkoppeln, sondern befragen Beschäftigte nach ihren Alltagserfahrungen. Problemorientierte Interviews können zeigen, wie Beschäftigte Konflikte in ihrer Arbeit wahrnehmen und welche Bedeutung sie ihnen beimessen. Was ist Gegenstand von Konflikten? Wer setzt sich mit wem wie und warum auseinander?
Wir wenden uns damit einer weit gefassten Forschungsfrage zu, die in der Soziologie bislang kaum thematisiert wird und Ihnen die Möglichkeit bietet, in kleinen Forschungsgruppen eigene Schwerpunktsetzungen und Hypothesen zu verfolgen.
Das Seminar ist als Empiriepraktikum auf 2 Semester angelegt und hat 3 Schwerpunkte. Zur Formulierung einer Forschungsfrage starten wir mit einer grundlegenden Einführung zum Wandel des Arbeitskonflikts im Zeichen der Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit. Im nächsten Schritt wenden wir uns der Operationalisierung und Durchführung Ihres Vorhabens mit den Methoden der qualitativen Sozialforschung zu. Abschließend sollen Ihre Ergebnisse ausgewertet und in einem Forschungsbericht dokumentiert werden.
Da es sich um eine zweisemestrige Veranstaltung handelt, in der Sie selbstständig in kleinen Forschungsgruppen praxisnah arbeiten sollen, wird ein hohes Maß an Kontinuität und Verbindlichkeit gefordert. Die Veranstaltung richtet sich an Studierende in Aufbau- und Vertiefungsphase. Die Teilnehmerzahl ist auf 40 Studierende begrenzt. Anmeldungen vorab senden Sie bitte an: heiden@uni-kassel.de
Böhle, Fritz / Voß, Günter G. / Wachtler, Günther (Hg.) (2010): Handbuch Arbeitssoziologie. Wiesbaden: VS.
Lamnek, Siegfried (2005): Qualitative Sozialforschung. Lehrbuch. Weinheim, Basel: Beltz.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
SoSe 2011
Soziologie HF
Dr.
Heiden Mathias