Uni-München
14. März 2017Projektübung Ästhetik und Episteme der Szenographie Studien zu Ästhetiken und Strukturen des Gegenwartstheaters Wiens
In diesem Seminar fragen wir nach Gestaltungspraktiken und auch nach Wissensarten, die unter dem Begriff ‚Szenographie’ gefasst werden. Der Begriff (von gr. ‚skene’, Bühnenhausfront, ‚graphein’, schreiben) ist eng mit der Theatergeschichte liiert; im Versuch, v.a. die neuere Szenographie (20.Jahrhundert/Gegenwart) als...
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Jetzt Lernplan erstellenIn diesem Seminar fragen wir nach Gestaltungspraktiken und auch nach Wissensarten, die unter dem Begriff ‚Szenographie’ gefasst werden. Der Begriff (von gr. ‚skene’, Bühnenhausfront, ‚graphein’, schreiben) ist eng mit der Theatergeschichte liiert; im Versuch, v.a. die neuere Szenographie (20.Jahrhundert/Gegenwart) als Kunst und Diskurs theoretisch zu fundieren, ist es – einem Vorschlag von P.Pavis folgend – üblich geworden, zwischen ‚Bühnenbild’ und ‚Szenographie’ zu unterscheiden: Diese Unterscheidung bezieht sich auf jene Zäsur, mit der Künstler wie z.B. A.Appia seinerzeit den Theaterguckkasten und dessen Kulissen als ‚Augentäuschung’ verwarfen zugunsten von Praktiken, die Räume nicht abbilden, sondern als Zusammenspiel zwischen materiellen Artefakten, Medien und schauspielerischer Aktion sowie unter Einbeziehung des Publikums erst entstehen lassen. Ausgangsthese des Seminars ist, dass diese Prozesse als ‚performative Räume’ bzw. ‚performative Hervorbringung von Räumen’ (Fischer-Lichte 2004) – wie in der Theaterwissenschaft bislang üblich – allerdings kaum ausreichend beschrieben werden können. Alternativ aufgegriffen werden soll daher der (bisher nur skizzenhafte) Vorschlag Pavis’, Szenographie gleichermaßen als Kunst und -Wissenschaft von der Organisation der Bühne und des Bühnenraums- zu begreifen (1996/2007): eine solche (Neu-)Betrachtung der Szenographie nicht allein als ästhetischer Diskurs, sondern als Dispositiv, das auch diskursive Elemente (Wissensbestände, Episteme) enthält und diese stets verändert und revidiert, ist erst noch zu leisten. Neben der Erarbeitung einschlägiger szenographischer Positionen (20.Jhdt., Gegenwart) ist die Auseinandersetzung mit dem Begriff des ‚Dispositivs’ (Foucault, Agamben, Deleuze) sowie mit Ansätzen der Dispositivforschung zentraler Bestandteil des Seminars.
Literatur zur Vorbereitung :
Patrice Pavis: -Scénographie-, in: ders., Dictionnaire du Théâtre. Paris 1996, 314-317; d ers.: -Szenographie-, in: M.Brauneck, G.Schneilin (Hg.): Theaterlexikon 1: Begriffe und Epochen, Bühnen und Ensembles. Reinbek b. Hamburg 2007, 969-971.
Giorgio Agamben: Was ist ein Dispositiv? Berlin/Zürich 2010.
Gilles Deleuze: -Was ist ein Dispositiv?-, in: F.Ewald/B.Waldenfels (Hg.): Spiele der Wahrheit. Foucaults Denken. Frankfurt/M. 1991, 153-162.
Michel Foucault: Dispositive der Macht. Berlin 1978.
Andrea D.Bührmann, W.Schneider: Von Diskurs zum Dispositiv. Einführung in die Dispositivforschung. Bielefeld 2008.
W3-Professur für Theaterwissenschaft (Univ. Prof. Dr. Christopher Balme)
Leistungsnachweis MA Theaterwissenschaft (WP 6.2): Präsentation (15 Minuten) oder wissenschaftliches Protokoll (9000 Zeichen)
6 ECTS, in Modul(prüfung) -Ästhetik und Konzepte des Gegenwartstheaters- mit Forschungsseminar -Aktuelle Theaterformen- (9 ECTS) insgesamt 15 ECTS
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Leistungsnachweis MA Profilbereich (WP TW 10.1): Präsentation (15 Minuten) oder wissenschaftliches Protokoll (9000 Zeichen)
6 ECTS
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Leistungsnachweis MA Dramaturgie (P 3.2): wissenschaftliches Protokoll (ca. 6000 Zeichen)
6 ECTS, in Modul(prüfung) -Ästhetik und Konzepte des Gegenwartstheaters- mit Forschungsseminar -Aktuelle Theaterformen- (9 ECTS) insgesamt 15 ECTS
LMU München
SoSe 2015
Univ.Prof.Dr.
Wiens Birgit