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Uni-Kassel
14. März 2017

Proseminar Die Begegnung mit den quot Anderen quot Texte zur Eroberung und Kolonisation Lateinamerikas

Die Texte zur Eroberung Amerikas sind nicht nur als Quellenmaterial für die Ethnologie und die Geschichtswissenschaft zu erachten. In den letzten Jahrzehnten sind sie unter rhetorischen, semiotischen und text- oder diskursanalytischen Aspekten verstärkt in den Mittelpunkt des literaturwissenschaftlichen Interesses gerückt....

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Die Texte zur Eroberung Amerikas sind nicht nur als Quellenmaterial für die Ethnologie und die Geschichtswissenschaft zu erachten. In den letzten Jahrzehnten sind sie unter rhetorischen, semiotischen und text- oder diskursanalytischen Aspekten verstärkt in den Mittelpunkt des literaturwissenschaftlichen Interesses gerückt. Mit diesem Ansatz sind unter anderem folgende Fragen verbunden: Auf welche kulturellen Muster (aus dem europäischen Imaginären) greifen die Beschreibung des außereuropäischen ‚Anderen' zurück? Welche Strategien einer Rechtfertigung der Inbesitznahme und Unterwerfung fremder Länder und ihrer Bewohner werden dabei artikuliert? Und welche Konsequenzen haben die diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken der spanischen Konquistadoren in Amerika für die (anfängliche) Völkerrechtsdebatte im Spanien des 16. Jahrhunderts gehabt? In einem weiteren Sinne aber auch: Wie schreiben sich die bereits Spanisch sprechenden Indianer in den Textkorpus der Eroberung ein und bringen somit ihre Sicht der Ereignisse und ihre kulturellen Hintergründe ins Spiel? Diese Fragen sollen uns bei der Analyse ausgewählter Textbeispiele von Christoph Kolumbus, Bartolomé de las Casas, Herán Cortés, Bernal Diáz del Castillo, Bernardino de Sahagún und Guamán Poma leiten. Ein vorrangiges Anliegen des Seminars ist es, den Studierenden auf diese Weise einen Einblick in zentrale Denkweisen im Spanien der Frühen Neuzeit und den damit verbundenen Konzeptualisierungen fremder Kulturen zu vermitteln. Es ist ferner daran gedacht, die Primärtexte zu der in den 90er Jahren sehr intensiv geführten literaturwissenschaftlichen Chronik-Debatte in Beziehung zu setzen. Zur Einführung: Emir Rodríguez Monegal (Hg.): Die Neue Welt. Chroniken Lateinamerikas von Kolumbus bis zu den Unabhängigkeitskriegen. Frankfurt/ Main (Suhrkamp) 1982 u. Tzvetan Todorov: Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen. Frankfurt/ Main (edition suhrkamp) 1982. VoraussetzungenErfolgreicher Abschluss des OK Spanische Literaturwissenschaft. LeistungsnachweisVorbereitung, regelmäßige aktive Teilnahme, Referat und Ausarbeitung (15 S.) oder Hausarbeit (20-25 S.) FB 02 Institut für Romanistik Uni Kassel SS 2008 Romanische Philologie NF PD Dr. Schumm Petra