Uni-Kassel
14. März 2017Proseminar Kulturdifferenz und Glaubenskrieg Wolframs von Eschenbach Willehalm
Zwar ist der -Parzival- nicht umsonst das deutlich bekanntere und beliebtere Werk Wolframs von Eschenbach, aber bei einer intensiven Lektüre zeigt sich der -Willehalm- als erzählerisch ebenso komplex; in mancher Hinsicht ist er vielleicht sogar der vielschichtigere wenn nicht gar...
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Jetzt Lernplan erstellenZwar ist der -Parzival- nicht umsonst das deutlich bekanntere und beliebtere Werk Wolframs von Eschenbach, aber bei einer intensiven Lektüre zeigt sich der -Willehalm- als erzählerisch ebenso komplex; in mancher Hinsicht ist er vielleicht sogar der vielschichtigere wenn nicht gar 'modernere' Text. Zwischen dem Gefangenen Willehalm von Orange und der heidnischen Königin Arabel entsteht eine Minnebeziehung, beide fliehen gemeinsam in Willehalms Heimat. Doch nicht allein die Liebe zu Willehalm, sondern vor allem die Bekehrung zum christlichen Glauben ist ausschlaggebend dafür, dass Arabel Mann, Kinder und Verwandtschaft zurück lässt und sich in Frankreich zu Gyburc taufen lässt. Für ihren Familienverband und die Heidenschaft insgesamt ist das nicht hinzunehmen, ein gewaltiges Herr zieht übers Meer nach Orange. Hier nun setzt die Erzählung des -Willehalm- ein, wobei Wolfram eben gerade nicht die nahe liegende Möglichkeit einer Kreuzzugsdichtung wählt, sondern die Frage nach dem rechten Glauben in Beziehung setzt zu den Ansprüchen ritterlicher Idealität, höfischen Minedienstes und verwandtschaftlicher Bindungen. Wenn die heidnischen Ritter die Christen in Sachen höfisch-ritterlicher Idealität teilweise sogar überflügeln und schließlich nur noch der Glaube an den rechten Gott eine Differenz erkennen lässt, dann geht die einfache Dichototmie von Gut und Böse verloren, es entstehen Grauzonen, die Wolfram erzählerisch gekonnt zum Zentrum seiner Dichtung macht.
Im Seminar werden wir uns zum einen mit der Frage beschäftigen, in welcher Weise die Wahrnehmung des Anderen als eines Fremden von vorgängigen Kulturmustern geprägt ist, in welcher Weise kulturelle Differenz durch künstlerische Ausdrucksformen hergestellt, vermittelt, aber eben auch in Frage gestellt werden kann. Zum anderen rückt damit das Motiv des Glaubenskriegs in den Blick. Für die mittelhochdeutsche Literatur ist hier das -Rolandslied- traditionsbildend, doch gerade dessen polemisch-aggressive Verdammung aller Nichtchristen und die Verherrlichung kriegerischen Märtyrertums stellt Wolfram in Frage, er bietet letztlich einen Beitrag zu der bis heute und gerade jetzt wieder aktuellen Diskussion über den Umgang mit der kulturellen und religiösen Differenz. Konkret bearbeiten lassen sich diese Frage an einigen zentralen Figuren des -Willehalm- und mit Hilfe spezifischer literaturanalytischer Verfahren etwa aus dem Bereich der Genderforschung, Emotionstheorie, Erzähltheorie etc.
Lernziele: Aktive Mitarbeit im Seminar. Leistungsnachweise sind entsprechend den Anforderungen im jeweiligen Modul zu erbringen.
Lektüregrundlage : Wolfram von Eschenbach: Willehalm. Text der Ausgabe v. Werner Schröder. Übersetzung, Vorwort u. Register v. Dieter Kartschoke. 3., durchges. Aufl. Berlin u.a. 2003 (De-Gruyter-Texte).
Seminarbegleitendes Handbuch : Greenfield, John u. Miklautsch, Lydia: Der -Willehalm- Wolframs von Eschenbach. Eine Einführung. Berlin u.a. 1998 (De-Gruyter-Studienbuch).
Bemerkung
LitWiss HS
Leistungsnachweis :
- regelmäßige aktive Teilnahme
- Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe
- Diskussionsleitung oder Moderation oder Kurzreferat, jeweils mit schriftlicher Ausarbeitung: 2 Cr
- Sitzungsprotokoll von etwa 2 Seiten (in der jeweils folgenden Woche abzugeben): 1Cr
- schriftliche wissenschaftliche Hausarbeit von etwa 20 Seiten: 3 Cr
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
WS 2009/2010
Germanistik/Deutsch
Germanistik HF
Prof. Dr.
Mecklenburg Michael