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Uni-Kassel
14. März 2017

Proseminar mit Tutorium Beleid ge lebendige Dichter nicht Sie haben Flammen und Waffen pamphletistische Literatur des 19 und 20 Jahrhunderts

Während sich das Manifest für ein Programm, eine Idee, eine Utopie, einen (Gegen-) Entwurf von Gesellschaft oder Kunst ausspricht, wendet sich das Pamphlet als Streit- bzw. Schmähschrift zunächst gegen herrschende religiöse, politische oder soziale Verhältnisse. Dabei können Pamphlete ganz unterschiedliche...

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Während sich das Manifest für ein Programm, eine Idee, eine Utopie, einen (Gegen-) Entwurf von Gesellschaft oder Kunst ausspricht, wendet sich das Pamphlet als Streit- bzw. Schmähschrift zunächst gegen herrschende religiöse, politische oder soziale Verhältnisse. Dabei können Pamphlete ganz unterschiedliche rhetorische Strategien verfolgen, die von berichtenden, aufklärerischen Argumentationslinien über indirekte, satirische Positionierungen bis zur unsachlichen persönlichen Diffamierung des jeweiligen Gegners reichen. Pamphlete zeichnen sich zudem häufig durch einen hyperbolischen, polemischen oder pathetischen Stil aus, der das Ziel verfolgt, herrschende Verhältnisse zu verändern bzw. zu kritisieren und zu stören. Als pamphletistische Literatur können Texte bezeichnet werden, die, mitunter im Sinne eines Tendenzbegriffs, selbst Strategien der Übertreibung, Überzeichnung, Diffamierung oder Enttarnung aufzeigen oder wiederum Pamphlete in den literarischen Text integrieren (z. B. in Dramentexten von Hasenclever oder Mühsam); sie können dem eigentlichen literarischen Text Pamphlete voranstellen (z. B. Heine) bzw. ihre Programmatik in künstlerisch-literarischer -Verkleidung- präsentieren (z. B. Politische Lieder). Pamphlete sind damit auch gattungstheoretisch interessant, weil sie sich an den Schnittstellen zwischen journalistischem Essay (z. B. Biller oder Tucholsky), Flugblatt (z. B. Büchner), Brief (z. B. Wegner), gesprochene (Wut-)Reden (z. B. Brinkmann oder Regener), Satire (z. B. Jelinek) und literarischen Kurzformen (z. B. Gedichte und Lieder von Toller, Becher, Söllner) bewegen. Pamphlete wollen über ihre jedoch vermittelte Authentizität der Empörung an der Wirklichkeit überprüfbar sein, um diese dabei zugleich zu konterkarieren. Damit gilt für Pamphlete wohl das, was Arntzen hinsichtlich der Satire feststellt; sie sind -Utopien ex negativo-. Ziel des Seminar ist es, zum einen unterschiedliche stilistische und rhetorische Strategien pamphletistischer Texte zu untersuchen und diese in Bezug zu den jeweiligen historischen Kontexten zu setzen; zum anderen sollen gattungsspezifische Eigenarten erarbeitet (und angewendet) werden und der Frage nach einer spezifischen -Ästhetik des Pamphlets- nachgegangen werden. So werden anhand ausgewählter pamphletistischer Texte literaturwissenschaftliche Grundlagen der Textanalyse, Merkmale literarischer Epochen sowie literaturtheoretische Grundlagen vermittelt. Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet (dienstags, 16 bis 18 Uhr). Eine Lektüreliste, den Seminarplan und einen Reader zur Veranstaltung erhalten Sie in der ersten Sitzung. FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel SoSe 2013 Lehrveranstaltungspool FB 02 Germanistik NF Dux Anna Lina