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Uni-Essen
14. März 2017

Proseminar Proseminar Spanische Sprachwissenschaft Euromorphologie

Wenn heute von cyberspace, mass media, globalisation, nanotechnology oder polyphonen Klingeltönen und Telephonie die Rede ist, so denkt jeder zuerst an Amerika, dann an die anglophone Welt und schließlich an das Englische als Sprache der Wissenschaft und des Fortschritts. Bei...

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Wenn heute von cyberspace, mass media, globalisation, nanotechnology oder polyphonen Klingeltönen und Telephonie die Rede ist, so denkt jeder zuerst an Amerika, dann an die anglophone Welt und schließlich an das Englische als Sprache der Wissenschaft und des Fortschritts. Bei genauerer Betrachtung bleiben jedoch auf dem Gebiet der Telephonie im Deutschen gerade einmal das Klingeln, vom Internet im Spanischen kaum mehr als die arroba als nicht-gelehrtes Erbe übrig. Alle anderen Bezeichnungen mögen zwar –gerade für den Bereich des World Wide Web – als erstes im Englischen gebildet und von dort in die anderen modernen Sprachen importiert worden sein, das Material, das hierzu verwendet wurde, stammt jedoch ausnahmslos aus dem griechisch-lateinischen Kulturwortschatz, der in allen europäischen (und auch immer mehr außereuropäischen) Sprachen fest in der Bildungssprache und den Fachsprachen verankert ist. und Wenn nun aber eine Vielzahl der spanischen Neologismen wie ciberespacio, globalización, nanotecnología oder die melodías polifónicas auf dieselben Bausteine zurückgreifen wie ihre französischen, englischen, oft aber auch deutschen, russischen oder ungarischen Äquivalente, und damit die Internationalität der modernen Kommunikation zu großen Teilen auf der Basis des Lateins sowie des darüber ebenfalls vermittelten Altgriechisch ruhen, so gehören Kenntnisse zu Nutzbarkeit, Verwendungsmustern und Potential dieser Überbausprachen in jedem Fall auch zur Sprachkompetenz des Spanischen des 21. Jhs. Dieser Kurs wird sich daher in erster Linie mit den sogenannten Euromorphemen und ihrer Produktivität im Spanischen auseinandersetzen, ihre Kombinationsregeln und Funktionsprofile herausstellen, sie mit der Produktivität und Bedeutung der Anglizismen vergleichen, und als Synthese beider Betrachtungsperspektiven die verschiedenen Integrationswege der so entstandenen Internationalismen im europäischen Kontext rekonstruieren. Neben den Gebieten der Wortbildung und Lexikologie soll dabei auch ein erster Einblick in die Fortführung morphosyntaktischer Muster wie des participium absolutum gegeben werden, um so anfangs undurchsichtige Versprachlichungsmuster des Spanischen zunächst verständlich und dann auch für die eigene Textproduktion nutzbar zu machen. Das Latein soll damit für die passive und aktive Sprachkompetenz aktiviert und in seiner gedächtnisentlastenden und kognitiven Leistung nutzbar gemacht werden. Vorbereitende Pflichtlektüre: Braun, Peter (1990): -Internationalismen – Gleiche Wortschätze in europäischen Sprachen-, in: Braun, Peter et al. (edd.): Internationalismen. Studien zur interlingualen Lexikologie und Lexikographie, Tübingen, 13-33. Bergmann, Rolf (1995): -‘Europäismus’ und ‘Internationalismus’. Zur lexikologischen Terminologie-, in: Sprachwissenschaft, Vol. 20, 239-476. Schmitt, Christian (1996): -La europeización del español actual”, in: Martínez González, Antonio (ed.): Estudios de filología hispánica (Estudios lingüísticos y literarios), Granada, 69-93. Schmitt, Christian (2004): -Zentrifugale und zentripetale Trends in den romanischen Sprachen. Entwicklungsgeschichtliche und kulturhistorische Betrachtungen zum Verhältnis der neulateinischen Idiome zur lateinischen Muttersprache-, in: Romanistisches Jahrbuch, Vol. 55, 31-67. Romanistik Universität Duisburg-Essen WS 2010/11 alle Studiengänge, alle Studiengänge/Studienfächer Romanistik