Uni-Hannover
14. März 2017Rebell innen
Jede Generation hat ihre fiktionalen Rebell/innen, seien es Figuren, wie die sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuende Pippi Langstrumpf oder der heute nahezu bieder anmutende Rebel Without a Cause, der durch James Dean verkörpert wurde. Die Revolte gegen gesellschaftliche...
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Jetzt Lernplan erstellenJede Generation hat ihre fiktionalen Rebell/innen, seien es Figuren, wie die sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuende Pippi Langstrumpf oder der heute nahezu bieder anmutende Rebel Without a Cause, der durch James Dean verkörpert wurde. Die Revolte gegen gesellschaftliche Strukturen und politische Eliten hat auch im nicht-fiktionalen Raum nach 1968 in der ‚unübersichtlichen‘ und ‚unsicheren‘ globalisierten Welt wieder Hochkonjunktur. ‚Pussy Riot‘, Edward Snowden und die Blockupy-Bewegung bei der EZB-Neueröffnung in Frankfurt stehen in ihrem jeweils individuellen Kontext für ein rebellisches ‚Dagegen‘.
Sind Rebell/innen die Vorbot/innen neuer, sozialutopischer Gesellschaftsentwürfe, die sich gegen verkrustete patriarchale Gewaltstrukturen zur Wehr setzten, oder versuchen sie nicht vielmehr, modernistische Entwicklungen in ihrer jeweiligen Zeit konservativ zu bremsen und gesellschaftlich-kapitalistische Dynamiken zu entschleunigen? Was bestimmt dabei den schmalen Grat zwischen den wertfrei oder positiv wahrgenommenen Rebell/innen und den negativ konnotierten Terrorist/innen?
Das Seminar nähert sich dem kulturellen Konzept der Rebell/innen aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive. Neben literarischen Texten, in denen rebellische Figuren im Zentrum stehen, wie Sophokles Antigone (etwa 443 v. Chr.), Johann Wolfgang von Goethes Götz von Berlichingen (1773), Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas (1810), Bertolt Brechts Fatzer (1926-1930), Albert Camus’ Auslegung des Sisyphos-Mythos in seinem Essay Der Mythos des Sisyphos (1942), Heiner Müllers Die Hamletmaschine (1977) und Elfriede Jelineks Ulrike Maria Stuart (2006), wird die mediale Inszenierung, Stilisierung, Romantisierung und Kommerzialisierung (vgl. Che Guevara, dessen verkaufsförderndes Konterfei T-Shirts und Kaffeetassen ziert) von Rebell/innen Stoff für Diskussionen liefern.
Die Primärliteratur wird in einem Reader zur Verfügung gestellt und ein Semesterapparat wird eingerichtet.
Höller, Ralf: Der Kampf bin ich. Rebellen und Revolutionäre aus sechs Jahrhunderten. Berlin: Aufbau 2001.
Oei, Bernd: Camus: Sisyphos zwischen dem Absurden und der Revolte. Münster u.a.: Lit 2010 ( = Grenzgänger zwischen Philosophie und Literatur 2).
Wilson, W. Daniel: Der junge Goethe – ein politischer Rebell?: Opposition versus Fürstendienst in ‚Götz von Berlichingen‘ und kleineren Frühwerken. In: Hans-Jörg Knobloch u. Helmut Koopmann (Hrsg.): Goethe: neue Ansichten – neue Einsichten. Würzburg: Königshausen u. Neumann, 2007, S. 11-35.
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, MA
Teilnehmerzahl: 30.
Universität Hannover
WiSe 2015/16
Deutsch, Master LA Gymnasium
Dr.
Nitschmann Till