Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Gerechtigkeit 8211 Theorien Debatten und Diagnosen
Jede neue Regierung tritt mit dem Versprechen an, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen und auch jenseits des Parteienspektrums werden Sie kaum jemanden finden, der oder die gegen Gerechtigkeit ist. Gerechtigkeit scheint, ganz wie frisch gebackener Apfelkuchen oder glückliche Elternschaft,...
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Jetzt Lernplan erstellenJede neue Regierung tritt mit dem Versprechen an, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen und auch jenseits des Parteienspektrums werden Sie kaum jemanden finden, der oder die gegen Gerechtigkeit ist. Gerechtigkeit scheint, ganz wie frisch gebackener Apfelkuchen oder glückliche Elternschaft, etwas zu sein, das alle gut finden. Ein zweiter Blick zeigt jedoch, dass sich hinter Gerechtigkeit hochgradig divergierende Gesellschaftsvorstellungen und Konzepte verbergen: Gerechtigkeit ist keine objektive, messbare Größe. Was gerecht ist und was nicht, liegt im Auge des Betrachters bzw. an den Maßstäben, die angelegt werden. Um nur ein Beispiel zu nennen: materielle Ressourcen können je nach erbrachter Leistung oder aber je nach Bedarf vergeben werden, was im Zweifelsfall dazu führt, dass sehr unterschiedliche Personengruppen von der Verteilung profitieren. Im einen Fall haben wir es mit Leistungsgerechtigkeit, im anderen Fall mit Bedarfsgerechtigkeit zu tun (und damit ist noch gar nicht die schwierige Frage beantwortet, was genau als Leistung gilt und wie Bedarfe ermittelt werden). Zunehmend ist aber auch von Generationengerechtigkeit, von Teilhabegerechtigkeit, von Verteilungsgerechtigkeit oder Geschlechtergerechtigkeit die Rede. Auch stellen wir fest, dass in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen unterschiedliche Gerechtigkeitsprinzipien zur Anwendung kommen; so wird niemand eine Verteilung von Schulnoten nach Bedarf anregen.
Im Sinne der zentralen Lernziele im Aufbaumodul werden im Seminar verschiedene Gerechtigkeitstheorien und -perspektiven differenziert und die mit diesen Perspektiven einhergehenden Werte, Normen und Prinzipien herausgearbeitet. Welche politischen Akteure greifen z.B. auf welche Gerechtigkeitskonzepte zurück? Worüber wird konkret gestritten, wenn es um unterschiedliche Konzepte geht? Wie haben sich Gerechtigkeitsvorstellungen im historischen Verlauf gewandelt und finden wir Unterschiede, wenn wir verschiedene Länder vergleichen?
Entlang unterschiedlicher Gerechtigkeitsvorstellungen werden wir im letzten Seminardrittel aktuelle wissenschaftliche und politische Kontroversen um Fragen sozialer (Un-)Sicherheit und sozialer Ungleichheit in den Blick nehmen. Wann bzw. nach welche Kriterien ist die (empirisch evidente) Zunahme sozialer Ungleichheit (un-)gerecht?
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2015/16
Politik und Wirtschaft
Prof. Dr.
Dyk van Silke