Uni-Siegen
14. März 2017Romangeschichte und Romantheorie
Wenn die Rede davon ist, dass man ein ‚Buch liest’, wird oftmals ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich um einen Roman handelt, obwohl die verschiedensten Textsorten gemeint sein könnten (Lyrik, Dramatik, Essays, Sachbücher, Ratgeber usw. usf.). Ebenso selbstverständlich wie...
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Jetzt Lernplan erstellenWenn die Rede davon ist, dass man ein ‚Buch liest’, wird oftmals ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich um einen Roman handelt, obwohl die verschiedensten Textsorten gemeint sein könnten (Lyrik, Dramatik, Essays, Sachbücher, Ratgeber usw. usf.). Ebenso selbstverständlich wie das Buch dem Roman zugeordnet wird, gilt der Roman oftmals unhinterfragt als DIE Form des literarischen Schreibens schlechthin. Als Studierende der Literaturwissenschaft wissen Sie, dass es eine Vielfalt literarischer Gattungen, Genres, Schreibweisen etc. gibt und dass Literatur nicht automatisch mit dem Roman gleichzusetzen ist. Vielleicht haben Sie sich aber bislang noch nicht damit beschäftigt, was der Roman genau ist, was er spezifisch kann und leistet, wie er entstanden ist und wie er sich historisch entwickelt hat. Selbstverständlich ist diese mediale Form keineswegs, sondern sie ist unter bestimmten Bedingungen entstanden und wurde historisch je unterschiedlich aufgeladen und in ihrem Potential reflektiert.
In der Vorlesung wird genauer darauf eingegangen werden, was den Roman von anderen Textsorten abgrenzt, wie er also definiert werden kann, welche Formen er ausbildet und welche spezifischen Funktionen damit verknüpft werden. Ein Autor/eine Autorin wählt bzw. eine Epoche präferiert den Roman nicht zufällig; er ist nicht einfach gegeben und wird nicht unreflektiert produziert, sondern mit der Wahl der Gattung Roman werden ganz bestimmte schriftstellerische Intentionen verfolgt und ein bestimmtes textuelles ‚Leistungsspektrum’ abgerufen. Gattungstheoretische Vorstellungen wandeln sich im Lauf der Jahrhunderte, sodass romantheoretische Erörterungen mit einem romangeschichtlichen Blick verbunden werden müssen. Wir werden also zunächst einmal die Entstehung des Romans im 16. Jahrhundert betrachten, um anschließend durch die Jahrhunderte einen Überblick zu gewinnen, wie sich Zuschreibungen und Erwartungen an den Roman verändert haben. Theoretische Erörterungen und die Vorstellung besonders signifikanter Romane wechseln sich dabei ab. Eine entsprechende Literaturliste wird vor Semesterbeginn noch bekannt gegeben.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Erörterung des Schelmenromans, da einer der ersten als Roman klassifizierten Texte (Lazarillo de Tormes, 1554) dieser Subgattung zuzuordnen ist und dieser Gattung eine besondere Relevanz in der gesamten europäischen Literaturgeschichte zukommt. Natürlich werden außerdem Bildungs- und Entwicklungsroman, Gesellschaftsroman, der ‚Essayroman’ sowie einige Besonderheiten hinsichtlich der Romanproduktion des 20. Jahrhunderts zur Sprache kommen.
Einen sehr gründlichen Überblick, anhand dessen Sie sich jenseits der Vorlesung informieren können, erhalten Sie in folgendem Band, der aber nicht als semesterbegleitende Lektüre verstanden werden sollte und nicht den Bezugspunkt der Vorlesung bilden wird:
Matthias Bauer: Romantheorie und Erzählforschung. Stuttgart 2005.
Germanistik - Neuere deutsche Literaturwissenschaft II
Beachten Sie, dass Sie diesen Kurs nach den Prüfungsordnungen ab 2011 nicht besuchen dürfen, wenn Sie die für dieses Modulelement laut Fachspezifischen Bestimmungen und Modulhandbuch notwendigen Voraussetzungen noch nicht erfüllen.
Die Studienleistung (3 KP), die im Rahmen der Voelesung erworben werden kann, wird durch eine Abschlussklausur erbracht.
Universität Siegen
WiSe 2014/15
Dr.
Lickhardt Maren