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Uni-Siegen
17. Juli 2017

ROMSEMINAR 2017 Mathematisches Denken Begegnungen von Philosophie und Mathematik

Romseminar 2017 Wintersemester 2016/2017 (parallel in Kiel, Siegen und Tübingen) Gemeinsame Exkursion nach Rom: 26.2. bis 4.3. 2017 So kann also die Mathematik definiert werden als diejenige Wissenschaft, in der wir niemals das kennen, worüber wir sprechen, und niemals wissen,...

Was lernst du wirklich?

In diesem Seminar tauchst du tief in die Philosophie der Mathematik ein und hinterfragst, was Mathematik eigentlich ist, wie mathematische Objekte existieren und was mathematisches Denken ausmacht. Du wirst kritisch über die Natur von Beweisen, die Rolle von Widersprüchen und die Anwendbarkeit der Mathematik reflektieren, ergänzt durch eine gemeinsame Exkursion nach Rom. Ziel ist es, nicht nur Mathematik zu betreiben, sondern über sie nachzudenken.

Das wirst du lernen

  • Du verstehst grundlegende philosophische Fragen zur Natur der Mathematik und ihrer Objekte.
  • Du kannst kritisch über die Existenz mathematischer Konzepte und deren Entdeckung versus Kreation reflektieren.
  • Du analysierst verschiedene Perspektiven auf mathematisches Denken und die Rolle von Beweisen.
  • Du diskutierst die Bedeutung von Widersprüchen und ästhetischen Wertungen in der Mathematik.
  • Du hinterfragst die Anwendbarkeit von Mathematik in der realen Welt aus philosophischer Sicht.

Passende Berufsfelder

Wissenschaft und Forschung (insbesondere Philosophie, Mathematikgeschichte, Wissenschaftstheorie)Lehre und Didaktik (Mathematik, Philosophie)Wissenschaftsjournalismus und -kommunikationStrategische Beratung (für komplexe, abstrakte Problemstellungen)

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Offizielle Kursbeschreibung

Romseminar 2017 Wintersemester 2016/2017 (parallel in Kiel, Siegen und Tübingen)   Gemeinsame Exkursion nach Rom: 26.2. bis 4.3. 2017     So kann also die Mathematik definiert werden als diejenige Wissenschaft, in der wir niemals das kennen, worüber wir sprechen, und niemals wissen, ob das, was wir sagen, wahr ist.                  Bertrand Russell (1872-1970)   Als Mathematiker denken wir uns Mathematik (aus), denken wir mathematische Objekte und denken über deren Beziehungen untereinander nach. Aber was ist eigentlich der Gegenstand bzw. was sind die Objekte dieses Denkens? Existieren sie auch unabhängig von diesem Denken, werden sie entdeckt oder geschaffen? Und was ist die charakteristische Art und Weise, wie sich dieses Denken vollzieht? Was kennzeichnet ein solches ``mathematisches Denken'' und hat es auch außerhalb der Mathematik seine Berechtigung? Seit mehr als 6000 Jahren wird die menschliche Kulturgeschichte von Mathematik begleitet, machen Menschen auf unterschiedlichstem Niveau Mathematik, aber die schlichte Frage Was ist das eigentlich, Mathematik? ist dennoch gar nicht so leicht zu beantworten; pointiert drückt dies die -Definition- Russells aus. Ausgehend von dieser und verwandten Fragen wollen wir im Wintersemester und dann während der Exkursionswoche in Rom einmal nicht nur -Mathematik denken'', sondern über Mathematik (nach)denken, also im besten Sinne Philosophie der Mathematik betreiben. Unter anderem könnte es, je nach Interesse der Teilnehmer, zum Beispiel um folgende Fragen gehen: • In welchem Sinne `gibt' es Zahlen, Kreise, Dreiecke, stetige Funktionen, Integrale... ? • Was ist ein mathematischer Beweis? Was und wie beweist ein mathematischer Beweis? Können z.B. Bilder beweisen? • Welche Rolle spielen Widersprüche für die Mathematik? • Welche Streitfragen gab und gibt es unter Mathematikern? • Was heißt es, Mathematik anzuwenden, und warum bzw. inwiefern funktioniert das (oft)? • Gibt es schöne und hässliche Mathematik und welche Rolle spielen ästhetische Wertungen für die mathematische Praxis? • Welche Rolle spielt die Mathematik für moderne Gesellschaften? Gibt es ``gute'' bzw. ``schlechte'' Mathematik? Unter welchen normativen Vorgaben wird Mathematik betrieben?   Diese und weitere Themen wird das Romseminar 2017 ansprechen; es bietet dabei die besondere Möglichkeit, über den Tellerrand des eigenen Studienfachs hinaus zu schauen, um sich mit dem philosophischen, historischen und kulturellen Hintergrund der Mathematik und ihrem Bezug zu anderen Disziplinen zu beschäftigen. Im Laufe des Wintersemesters werden wir uns zunächst das Thema durch gemeinsame Lektüre, kleine Impulsreferate und Diskussionen auf- und erschließen. Bis Mitte Januar soll dann jeder Teilnehmer ein eigenes Projekt gefunden haben. Diese werden anschließend gemeinsam mit Studierenden aus Kiel, Siegen und Tübingen während der Exkursionsphase in Rom in der ersten Märzwoche (vom 26. Februar bis 4. März) 2017 präsentiert und diskutiert. Ein vielseitiges Begleitprogramm zu sonst nicht zugänglichen Orten in Rom bereichert das Romseminar. Voraussetzung für das Seminar ist das Interesse an Mathematik, Mathematikgeschichte und -philosophie sowie die Bereitschaft, sich mit der Thematik engagiert auseinanderzusetzen. Geeignet ist das Seminar ab dem ersten Semester.     Mathematik ist Tapferkeitsluxus der reinen Ratio, einer der wenigen, die es heute gibt. Robert Musil (1880-1942) Oskar Becker: Grundlagen der Mathematik in geschichtlicher Entwicklung, 1975. Wilhelm Büttemeyer: (Hg.): Philosophie der Mathematik, 2003. Thomas Bedürftig, Roman Murawski: Philosophie der Mathematik, 2010. Stewart Shapiro: Thinking about Mathematics, 2000. Knut Radbruch: Mathematik in den Geisteswissenschaften. 1989. Herbert Meschkowski: Wandlungen im mathematischen Denken, 1969. Herbert Mehrtens: Moderne Sprache Mathematik, 1990. Hans Wußing: 6000 Jahre Mathematik. 2 Bände, Berlin 2008. Rathgeb, Martin, Dr. Voraussetzung für das Seminar ist das Interesse an Mathematik, Mathematikgeschichte und interdisziplinären Themen; geeignet ab dem ersten Semester. Im Rahmen des Lehramtsstudiums kann für das Wahlpflichtmodul B3-GB.3 und M2-GB.2 (Gym) bzw. M1-HR.2  (HR) bzw. M2-G.2 (G) ein Leistungsnachweis erworben werden. Universität Siegen WiSe 2016/17 Univ.-Prof. Dr. Nickel Gregor