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Uni-Siegen
14. März 2017

Rousseau Über die Ungleichheit unter den Menschen

Jean-Jacques Rousseau: Über die Ungleichheit unter den Menschen 1753 stellte die Akademie von Dijon die Preisfrage: -Welches ist der Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen und ist sie durch das Naturgesetz gerechtfertigt?- Die Schrift, die Jean-Jacques Rousseau einreichte und die...

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Jean-Jacques Rousseau: Über die Ungleichheit unter den Menschen 1753 stellte die Akademie von Dijon die Preisfrage: -Welches ist der Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen und ist sie durch das Naturgesetz gerechtfertigt?- Die Schrift, die Jean-Jacques Rousseau einreichte und die er unter dem Titel Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen veröffentlichte, ging bei der Preisvergabe zwar leer aus; gleichwohl wurden die riskanten Thesen, die er in ihr vertrat, überall in den Intellektuellenzirkeln Europas rezipiert und diskutiert. In den deutschen Landen etwa nahm Lessing diese Schrift Rousseaus zustimmend auf. Und auch Immanuel Kant wurde nachhaltig durch Rousseau beeinflußt. In dieser Abhandlung über die Ungleichheit entwickelt Rousseau eine Ursprungs-, eine Entwicklungs- und eine Verfallsgeschichte der Menschen. Bezüglich dieser Geschichte formulierte er als seine grundlegende These: Von Natur aus sind die Menschen gleich (wobei wir herausarbeiten werden, was das heißt: -von Natur aus- und inwiefern die Menschen für Rousseau -von Natur aus- -gleich- sind). Die Ungleichheit nun, die sich in der zeitgenössischen Gesellschaft für Rousseau einfach nicht übersehen läßt, ist seiner Ansicht nach von den Menschen selbst herbeigeführt worden. Als die Quellen dieser Ungleichheit macht Rousseau in seiner Schrift vor allem die Vergesellschaftung und die damit einhergehende ungleiche Verteilung von Privateigentum namhaft. Wie es zu dieser Ungleichheit kommen konnte, versucht er dadurch herauszuarbeiten, daß er untersucht, wie seiner Ansicht nach der Mensch im Naturzustand beschaffen ist, also der Mensch, der noch nicht durch Zivilisations- und Kulturleistungen geprägt ist. Diesen -natürlichen- oder -wilden Menschen-, wie Rousseau auch sagt, betrachtet er zunächst unter rein physischem Aspekt, analysiert seine natürlichen Bedürfnisse und arbeitet die grundlegenden Strukturen seines Verhaltens und die Prinzipien seiner -natürlichen Moral- heraus. Erst vor diesem Hintergrund, gibt sich Rousseau überzeugt, lassen sich grundlegende Fragen des menschlichen Zusammenlebens, der Vergesellschaftung, der Staatenbildung, des Eigentums, des Rechts, kurz: der Zivilisierung und Kultivierung, angemessen beantworten. Literatur: Jean-Jacques Rousseau: Diskurs über die Ungleichheit. Kritische Ausgabe des integralen Textes. Mit sämtlichen Fragmenten und ergänzenden Materialien nach den Originalausgaben und den Handschriften neu ediert, übersetzt und kommentiert von Heinrich Meier. Paderborn u. a.: Schöningh 1984 (oder eine spätere Auflage), UTB 725. Philosophie - Geschichte der Philosophie Universität Siegen WiSe 2014/15 Hon.-Prof. Dr. Decher Friedhelm Hon