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14. März 2017Sekten und Neue Religiöse Bewegungen
Wenn man das Wort -Sekte- hört, denkt man oft an Geschichten aus den Medien: ein -Tatort- über ein zwölf­jähriges Mädchen, das von Satanisten missbraucht und getötet wurde; eine Fernseh-Dokumentation über die -Gehirnwäsche- der Scientologen; sogar eine Episode der -Simpsons-, die...
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Jetzt Lernplan erstellenWenn man das Wort -Sekte- hört, denkt man oft an Geschichten aus den Medien: ein -Tatort- über ein zwölfjähriges Mädchen, das von Satanisten missbraucht und getötet wurde; eine Fernseh-Dokumentation über die -Gehirnwäsche- der Scientologen; sogar eine Episode der -Simpsons-, die von einem destruktiven Kult, den -Movementarians- handelt. Kurz gesagt, wenn man an Sekten denkt, denkt man an Gefahr und Manipulation. Doch ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes neutral. Eine -Sekte- (Lat. secta) war eine philosophische, religiöse oder politische Gruppierung, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von herrschenden Überzeugungen unterscheidet. Insbesondere steht der Begriff für eine von einer Mutterreligion abgespaltene religiöse Gemeinschaft. Das Christentum selbst war eine Sekte, eine Abspaltung des Judentums; das Luthertum eine Abspaltung der katholischen Kirche. Was kennzeichnet also eine Sekte? Welche theologischen, wissenschaftlichen, oder sozialen Faktoren definieren, das was man unter einer Sekte (Engl. -cult-) versteht?
Lange definierten Theologen Sekten nach normativen, dogmatischen Maßstäben, d.h. als eine Devianz am Rand einer -legitimen- (oft einer Staats-) Religion, aber seit den 70er Jahren -- und als Reaktion auf eine öffentliche Panik vor neuen Sekten – hat sich die wissenschaftliche Forschung zu sogenannten -New Religious Movements- (NRMs) etabliert. Religionssoziologen und Kulturwissenschaftler untersuchen die Eigenschaften von NRMs in ihren Kontexten und versuchen allgemeine Mechanismen dieser Gruppierungen zu identifizieren. Abseits von journalistischen Klischees und kirchlichen Dogmen nehmen sie die Fakten unter der Lupe, um Vorurteile über Gruppierungen zu widerlegen – oder sie zu verifizieren.
In diesem Seminar werden wir uns zuerst mit dem Begriff -Sekte- auseinandersetzen. Wir werden die wichtigsten theoretischen Versuche einer Definition diskutieren, und fragen in wie weit sie für eine moderne plurale Gesellschaft brauchbar sind. Wir werden uns dann mit einer Reihe von Gruppierungen in der deutschen Kirchengeschichte von der Reformation bis heute beschäftigen, und danach fragen, warum manche Gruppen an Legitimität gewonnen haben, während andere verpönt oder sogar verboten wurden. Komparativ werden wir die Situation in den USA mit der in Deutschland vergleichen, um der Frage nach dem Verhältnis zwischen Staat und Religion nachzugehen. Aufschlussreich hier sind besonders die Beispiele der Täufer und der Scientologen. Ein Ziel der Lehrveranstaltung wird es sein, Studenten mit den Methoden und Quellen vertraut zu machen, die sie brauchen, um sich selbst eine Meinung über verschiedenste Gemeinschaften zu bilden, sei es Baptisten, Paganen oder sogenannte UFO-Religionen.
Primärliteratur:
• Christoph Auffarth. Die Ketzer. Katharer, Waldenser und andere religiöse Bewegungen. 2005.
• Thomas Kaufmann. Geschichte der Reformation. 2009.
• James R. Lewis. The Oxford Handbook of New Religious Movements. 2004.
• Gordon Melten / Massimo Introvigne. Gehirnwäsche und Sekten. Interdisziplinäre Annäherungen. 2000.
• Sebastian Murkens. Neue religiöse Bewegungen aus religionspsychologischer Perspektive. 2009.
• Ernst Troeltsch. Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen. 1912.
• Max Weber. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. 1920.
Literatur zum Weiterlesen:
• Wouter J. Hanegraaff, et al. (Hgg). Dictionary of Gnosis & Western Esotericism. 2006.
• Daren Kamp / James R. Lewis. Handbook of New Age. 2007.
• Saloma Miller Furlong. Why I Left the Amish. 2011.
• Melanie Möller. Satanismus als Religion der Überschreitung. 2007.
• Gerald Willms. Scientology. Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. 2005.
• Volker Zotz. Auf den glückseligen Inseln. Buddhismus in der deutschen Kultur. 2000.
Bemerkung
Sprechstunde: direkt nach den Terminen oder nach Vereinbarung.
Evangelische Theologie - Kirchen- u. Theologiegeschichte
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