Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar 8222 Growth Management 8220 8211 Bewertung der Möglichkeiten und Grenzen regionalen Wachstumsmanagements anhand von nationalen und internationalen Fallstudien
Obwohl sich der demografische und ökonomische Wachstumsdruck in vielen westlichen Industriestaaten in den vergangenen Jahrzehnten spürbar abgeschwächt hat, bleibt die Aufgabe eines Managements des stadtregionalen Siedlungsflächenwachstums von erheblicher Bedeutung. Die nicht nur in Deutschland beobachtete Entkopplung der Inanspruchnahme von Freiflächen...
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Jetzt Lernplan erstellenObwohl sich der demografische und ökonomische Wachstumsdruck in vielen westlichen Industriestaaten in den vergangenen Jahrzehnten spürbar abgeschwächt hat, bleibt die Aufgabe eines Managements des stadtregionalen Siedlungsflächenwachstums von erheblicher Bedeutung. Die nicht nur in Deutschland beobachtete Entkopplung der Inanspruchnahme von Freiflächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke (-Flächenverbrauch-) von der Bevölkerungsentwicklung und die mangelnde standörtliche Integration der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung gelten als wesentliche Ursachen steigender Infrastrukturkosten und einer zunehmenden Autoabhängigkeit der Mobilität. Auch vollzieht sich das regionale Siedlungsflächenwachstum häufig auf wertvollen Agrarböden und Lebensräumen von Tier- und Pflanzenarten. Es entstanden regionale Siedlungsstrukturen mit hohem Ressourcenaufwand und massiven ökologischen Externalitäten.
Die Möglichkeiten einer raumplanerischen Begrenzung der Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke sind seit vielen Jahren Gegenstand einer kritischen Debatte in Forschung und Planungspraxis. Als -Wachstumsmanagement- (im Englischen -Growth Management-) wird der koordinierte Einsatz regulativer, ökonomischer und informatorischer Instrumente verstanden. Dies zielt einerseits auf eine nachfragegerechte Baulandversorgung von privaten Haushalten und Unternehmen, andererseits auf eine am Ziel der Ressourcenschonung orientierte Begrenzung des Siedlungs- und Verkehrsflächenwachstums. In materieller Hinsicht geht es vor allem um Fragen des -Wie viel-, des -Wo- und des -Wie- der Bereitstellung neuer Siedlungsflächen. Dabei bieten Leitvorstellungen wie die -kompakte Stadt- und die punkt-axiale Raumstruktur strategische Orientierungen.
Wachstumsmanagement hat ihre historischen Wurzeln in stark hierarchisch geprägten Steuerungsformen (Koordinationsanspruch der Landes- und Regionalplanung), vollzieht sich heute jedoch in eher netzwerkartigen, verhandlungsbasierten Governance Mustern, in denen Akteure mehr und minder gleichberechtigt nach Problemlösungen suchen (regionale Selbststeuerung). Dabei kommt auch informellen Regelsystemen vermehrt Bedeutung zu. In den vergangenen Jahren wurde zudem der verstärkte Einsatz ökonomischer Instrumente für Zwecke eines regionalen Wachstumsmanagements diskutiert (z.B. Versiegelungsabgaben oder handelbare Flächenzertifikate). Gleichwohl übernehmen regulative Instrumente der Regionalplanung nach wie vor wichtige Steuerungsleistungen.
Ziel des Seminars ist es, die Koordinationsleistungen verschiedener Instrumente, die für Zwecke regionaler Wachstumssteuerung eingesetzt werden, kritisch zu bewerten. Insofern nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars eine evaluierende Perspektive ein, die sich auf nationale wie internationale Anwendungsbeispiele stützt. Zu fragen ist, welche Erfahrungen mit einzelnen Instrumenten gemacht wurden und welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten bestehen.
Programm des Seminars:
1 Einführender Vorlesungsteil
- Warum Wachstumsmanagement? – Urbanisierung und Zersiedlung als globale Phänomene
- Ursachen der Siedlungs- und Verkehrsflächeninanspruchnahme
- Einführung in die Ziele und Inhalte des regionalen Wachstumsmanagements
- Überblick über die Instrumente des regionalen Wachstumsmanagements
2 Beiträge der Studierenden
Block A1: Regulative Instrumente – international
- Wachstumsmanagement durch regionale Grünzüge – das Beispiel London (Großbritannien)
- Wachstumsmanagement durch regionale Grünzüge – das Beispiel Seoul (Südkorea)
- Wachstumsmanagement durch Growth Boundaries – das Beispiel Portland, OR (USA)
- Die -Urban Renaissance- Politik in Großbritannien – eine Bilanz
Block A2: Regulative Instrumente – national
- Wachstumsmanagement mit positivplanerischen Instrumenten
- Koordination der gewerblichen Flächenentwicklung unter Einsatz von Vorranggebieten
Block B: Informatorische und ökonomische Instrumente
- Wachstumsmanagement mit informatorischen Instrumenten: Einsatz von
Flächeninformationssystemen auf regionaler Ebene
- Handelbare Flächenzertifikate – eine Alternative für raumordnerische Koordination?
- Tradable Development Rights – Erfahrungen aus den USA
3 Gastvorträge (angefragt)
- Klaus Einig (BBSR): Wachstumssteuerung aus der Perspektive des Bundes
- Christoph van Gemmeren (Bezirksregierung Düsseldorf): Wachstumssteuerung in der Region Düsseldorf
Bengston, D.N. et al. (2004): Public policies for managing urban growth and protecting open space. Policy instruments and lessons learned in the United States. In: Landscape and Urban Planning 69: 271-286.
Bizer, K., Einig, K., Köck, W., Siedentop, S. (Hrsg.) (2011): Raumordnungsinstrumente zur Flächenverbrauchsreduktion. Handelbare Flächenausweisungsrechte in der räumlichen Planung. Baden-Baden: Nomos (Schriftenreihe Recht, Ökonomie und Umwelt).
Distelkamp, M., Mohr, K., Siedentop, S., Ulrich, P. (2011): 30-ha-Ziel realisiert. Konsequenzen des Szenarios Flächenverbrauchsreduktion auf 30 ha im Jahr 2020 für die Siedlungsentwicklung. Forschungen, Band 148. Bonn: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.
Siedentop, S. (2012): Wirksamkeit raumordnerischer Instrumente zur Erhaltung einer ressourcenschonenden Siedlungsstruktur – Versuch einer Bilanz. In: Bunzel, A., Steger, C.O. (Hrsg.): Raumordnungsplanung quo vadis? Zwischen notwendiger Flankierung der kommunalen Bauleitplanung und unzulässigem Durchgriff. Wiesbaden, S. 63-83.
Fachgebiet Stadtentwicklung
M.Sc. Raumplanung (2012): Voraussetzung für den Abschluss ist der Nachweis der erfolgreichen aktiven Mitarbeit nach § 19 MPO. Daran werden folgende Anforderungen gestellt: Die Studierenden präsentieren ihre Arbeitsergebnisse in Form eines Vortrags und fassen die Ergebnisse ihrer Arbeiten in einem sechs- bis achtseitigen Arbeitspapier zusammen. Erwartet wird das eigenständige Recherchieren und Erarbeiten der Literatur, was auch englischsprachige Texte umfasst. Für alle Themen werden jedoch auch Literaturempfehlungen gegeben. Darüber hinaus können die teilnehmenden Studierenden eine Prüfung (Teilleistung) in Form einer Studienarbeit ablegen.
M.Sc. Raumplanung (2008): Die Veranstaltung wird als Pflichtveranstaltung einer Vertiefungsrichtung abgeschlossen über eine benotete Studienarbeit oder, gemeinsam mit einem weiteren Element, über eine mündliche Prüfung. Alternativ kann die Veranstaltung als Wahlpflicht-Veranstaltung belegt werden und wird mit dem Nachweis der erfolgreichen aktivn Mitarbeit abgeschlossen. Daran werden die o.g. Anforderungen gestellt.
Technische Universität Dortmund
WiSe 2013/14
Master Raumplanung (2008)
Prof. Dr.
Siedentop Stefan