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Uni-München
14. März 2017

Seminar Autobiographisches Schreiben A1 V1

Auf die Frage, was eine Autobiographie ist, haben viele geantwortet. So spricht Paul de Man beispielsweise von einem Maskenspiel im autobiographischen Schreiben und Philippe Lejeune behauptet einen autobiographischen Pakt, bei dem Leser und Autor die Identität zwischen Autor, Erzähler und...

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Auf die Frage, was eine Autobiographie ist, haben viele geantwortet. So spricht Paul de Man beispielsweise von einem Maskenspiel im autobiographischen Schreiben und Philippe Lejeune behauptet einen autobiographischen Pakt, bei dem Leser und Autor die Identität zwischen Autor, Erzähler und Protagonisten vereinbaren. Die Bestimmungsprobleme der Gattung -Autobiographie- werden in der Nachkriegszeit besonders virulent, und zwar nicht nur in theoretischen Diskussionen, sondern auch in – sich als autobiographisch verstehenden – Texten selbst, die die Zerstreutheit und das Bruchstückhafte der Lebensläufe wahrnehmbar werden lassen. Das bürgerliche Konzept eines Bildungsromans weicht der Auseinandersetzung mit den als Konstruktionen erkannten Lebensgeschichten. Die ehemals heiße Herzensschrift, in der sich der Autor in aller Aufrichtigkeit bekennt, ist erkaltet, der Zugang zum Inneren versperrt. Der neue Blick auf das eigene Leben lässt sich in verschiedenen Werken dieser häufig als krisenhaft beschriebenen Zeit nachvollziehen. So beklagt Michel Leiris in seiner großangelegten Autobiographie La règle du jeu die Unmöglichkeit, das Erlebte wieder lebendig werden zu lassen, und Alain Robbe-Grillet erkennt in seinem Konzept der nouvelle autobiographie die unmöglich einholbare Bruchstückhaftigkeit seiner Erinnerungen. Die Unfähigkeit, sich zu erinnern, wird besonders eindrücklich in Georges Perecs W ou le souvenir d’enfance verhandelt. Die Kindheit kann hier nur vermittelt durch besondere Schreibverfahren nacherzählt werden. Zersplitterte Lebenserinnerungen lassen sich in keine geordnete Chronologie mehr bringen und führen zu einer selbstreflexiven Schreibpraxis, die sich wie zum Beispiel bei Roland Barthes als fragmentarische Schreibweise selbst in Zerstreuung bringt. Der besondere Herausforderung autobiographischer Texte soll in der Lektüre der genannten Werke sowie drei weiteren – Roland Barthes’ Roland Barthes par Roland Barthes, Peter Weiss’ Abschied von den Eltern und Sylvia Plaths The Bell Jar – nachgegangen werden. Da ein Schwerpunkt auf französischsprachigen Texten liegt, sind Französischkenntnisse zwar nicht unbedingt notwendig, aber von Vorteil. Zur Vorbereitung des Seminars empfehle ich neben der Lektüre der sechs Autobiographien Die erkaltete Herzensschrift von Manfred Schneider sowie Le pacte autobiographique von Philippe Lejeune. ECTS-Punkte: Hauptfach: BA: 6 ECTS (Hausarbeit oder Essays/ Referat, benotet) MA 12: 6 ECTS (Essays/ Referat, unbenotet) Nebenfach: SLK:3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet) MA NF für Soziologie: 6 ECTS (Essays/ Referat, unbenotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie. B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München WiSe 1415 Horst Johanna Charlotte