Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Das Groteske
Kurzbeschreibung: Das Groteske gilt seit der Renaissance als Gattungsbezeichnung ornamentaler und phantastischer Kunst. Den wortgeschichtlich ersten Beleg für den deutschen Sprachraum liefert 1575 Johann Fischarts Roman -Geschichtklitterung- Sein auf den Zierrat an Gebrauchsgegenständen bezogenes Mischwort -grubengrotteschisch- entspricht formal dem chimärischen...
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Das Groteske gilt seit der Renaissance als Gattungsbezeichnung ornamentaler und phantastischer Kunst. Den wortgeschichtlich ersten Beleg für den deutschen Sprachraum liefert 1575 Johann Fischarts Roman -Geschichtklitterung- Sein auf den Zierrat an Gebrauchsgegenständen bezogenes Mischwort -grubengrotteschisch- entspricht formal dem chimärischen Charakter des Grotesken und ist dem italienischen -grottesche- entlehnt, das sich auf antike Wandmalereien bezieht, die um 1480 bei Ausgrabungen in den Ruinen der -Domus Aurea- Kaiser Neros in Rom gefunden wurden. Das Groteske, seit Montaigne ein Stilbegriff, wird mit Erscheinungen in Kunst, Literatur und Kultur konnotiert, die monströs oder hybrid anmuten. Es ist geprägt von der Dekomposition symbolischer Ordnungsstrukturen, der Grenzüberschreitung durch Verkehrung, Verzerrung und Vermischung. Groteske Kunst und Literatur steht insofern im Widerspruch zu jeder klassischen oder klassizistischen Ästhetik, als sie bewusst gegen deren Gesetze verstößt: Sie bevorzugt das Verzerrte gegenüber dem Symmetrischen, sie karikiert und provoziert.
Das Groteske dekomponiert die Gattungsordnung der Künste und ist ein genuin intermedialer Strukturbegriff. Das Seminar wird ihn anhand exemplarischer Beispiele aus Malerei, Literatur und Film diskutieren.
Lernziele:
Analyse historischer Erscheinungsformen des Grotesken (das Inverse, das Monströse, das Karnevaleske, das Chimärische, das Grauenerregende, das Grotesk-Komische) anhand ausgewählter Primär- und Sekundärtexte, Bilder und Filmbeispiele. Historische und systematische Erschließung literatur-, kultur- und medientheoretischer Perspektiven einer Poetik des Grotesken.
Kompetenzen:
Reflektierte Aneignung und Operationalisierung aktueller literatur-, kultur- und medienwissenschaftlicher Analyseansätze zu Begriff und Theorie des Grotesken.
Teilnahmemodalitäten/Voraussetzungen:
Die aktive Teilnahme setzt Bereitschaft zur Übernahme von Sitzungsprotokollen oder Impulsreferaten, bzw. Präsentationen (auch in Zweiergruppen) zu einzelnen Sitzungsthemen voraus.
Modulprüfungsleistung:
Schriftliche Hausarbeit (benotet)
Eignung für angewandte Studiengänge:
Aufgrund der interdisziplinären Thematik gegeben.
Weitere Hinweise:
Ein detaillierter Seminarplan mit weiteren Literaturangaben wird in der ersten Sitzung vorgestellt.
Texte und Materialien zu den einzelnen Sitzungsthemen werden im EWS bzw. in einem Seminarordner in der Emil-Figge-Bibliothek zur Verfügung gestellt.
Basisliteratur:
Peter Fuß, Das Groteske: ein Medium des kulturellen Wandels, Köln [u.a.]: Böhlau 2001.
Darin zur Einführung: S. 30 - 62: Das Groteske: Eine Marginalie.
Alexander Scheidweiler, Maler, Monstren, Muschelwerk: Wandlungen des Grotesken in Literatur und Kunsttheorie des 18. und 19. Jahrhunderts, Würzburg: Königshausen&Neumann 2009.
Darin zur Einführung: S. 49 - 83: Von der Karikatur des Nichtseinsollenden zum Medium des kulturellen Wandels. Theoretische Entwürfe.
(Guter Forschungsüberblick zum Thema)
Deutsch LABG2009 SoPä
Technische Universität Dortmund
SoSe 2014
Deutsch LABG2009 HRG
Gronenborn Klaus