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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Demokratischer Experimentalismus in der transnationalen Konsumgesellschaft

Die Etiketten der Kleidung oder Typenschilder der Notebooks offenbaren den Grad an transnationaler Vergesellschaftung in den gegenwärtigen Praktiken des Konsums. Dies betrifft nicht nur die Bedingungen westlicher Konsummuster, deren Ströme von Waren und Dienstleistungen, Preisniveaus, Vielfalt und ständige Verfügbarkeit ohne...

Was lernst du wirklich?

Dieses Seminar beleuchtet, wie unser globaler Konsum soziale Ungleichheiten und ökologische Probleme verursacht. Wir untersuchen, ob und wie neue demokratische Ansätze entstehen können, um diese Herausforderungen zu regulieren. Dabei wenden wir Theorien des "Demokratischen Experimentalismus" von John Dewey und Bruno Latour an, um alltägliche Konsumgüter als Ausgangspunkte für politische Aushandlungsprozesse zu analysieren.

Das wirst du lernen

  • Du verstehst die globalen Verflechtungen des Konsums und deren soziale, ökologische und ökonomische Auswirkungen.
  • Du lernst zentrale Theorien des "Demokratischen Experimentalismus" von John Dewey und Bruno Latour kennen und kannst sie anwenden.
  • Du kannst alltägliche Konsumgüter kritisch analysieren und ihre Rolle in politischen Aushandlungsprozessen erkennen.
  • Du entwickelst ein Bewusstsein für die Möglichkeiten und Herausforderungen demokratischer Regulierung in einer globalisierten Konsumgesellschaft.
  • Du schärfst deine Fähigkeit, komplexe gesellschaftliche Probleme aus einer demokratietheoretischen Perspektive zu betrachten.

Passende Berufsfelder

Politikberatung und Think TanksNon-Profit-Organisationen und NGOs (z.B. im Bereich Nachhaltigkeit oder Verbraucherschutz)Journalismus und Medien (mit Fokus auf gesellschaftliche und globale Themen)Unternehmensberatung (insbesondere im Bereich Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit)Internationale Organisationen und Entwicklungshilfe

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Offizielle Kursbeschreibung

Die Etiketten der Kleidung oder Typenschilder der Notebooks offenbaren den Grad an transnationaler Vergesellschaftung in den gegenwärtigen Praktiken des Konsums. Dies betrifft nicht nur die Bedingungen westlicher Konsummuster, deren Ströme von Waren und Dienstleistungen, Preisniveaus, Vielfalt und ständige Verfügbarkeit ohne die grenzüberschreitende globale Arbeitsteilung nicht denkbar wären. Es gilt auch für deren Nebenfolgen, die sich in lokalen sozialen Missständen, weltregionalen Ungleichheiten sowie globalen ökologischen Krisen manifestieren. Transnational ist zudem der konsumistische Lebensstil, dessen globale Verallgemeinerung die identitätsstiftenden Differenzen und die ethische Heterogenität der kulturellen Lebensstile gleichwohl nicht aufhebt, sondern sich als inhärent pluralistisch erweist. Ausgehend von dieser Konflikthaftigkeit soll im Blockseminar der Frage nachgegangen werden, ob neue Formen demokratischer Regulierung in der transnationalen Konsumgesellschaft entstehen. Dazu werden die demokratietheoretischen Ansätze von John Dewey und Bruno Latour aufgegriffen, die sich beide unter dem Begriff -Demokratischer Experimentalismus- zusammenfassen lassen. Damit wird eine theoretische Position bezeichnet, die unter Demokratie keine ein für allemal feststehende Staatsform versteht, sondern einen andauernden problembezogenen Suchprozess nach immer wieder neuen, der jeweiligen Zeit angemessenen Staats- und Regierungsformen. Deren Analyse muss von den jeweils typischen Streitfragen, die sich in einer Gesellschaft aktuell stellen, ihren Ausgang nehmen. Im Seminar wollen wir dazu umstrittene Dinge des alltäglichen Konsums (z.B. Kaffee, Mobiltelefone, T-Shirts, E10) daraufhin untersuchen, wie sie zu Objekten politischer Vernetzungs- und Aushandlungsprozesse werden. Literatur: • Dewey, John (1996): Die Öffentlichkeit und ihre Probleme. Bodenheim: Philo. • Kettner, Matthias (1998): John Deweys demokratische Experimentiergemeinschaft. In: Brunkhorst, Hauke (Hg.): Demokratischer Experimentalismus. Politik in der komplexen Gesellschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 44–66. • Lamla, Jörn (2011): Verbraucherdemokratie. Ein Zwischenbericht zur Politik der Konsumgesellschaft. In: Heidbrink, L./Schmidt, I./Ahaus, B. (Hrsg.): Die Verantwortung der Konsumenten. Über das Verhältnis von Markt, Moral und Konsum. Frankfurt/New York: Campus, S. 93-112. • Latour, Bruno (2010): Das Parlament der Dinge. Für eine politische Ökologie. Frankfurt/M.: Suhrkamp. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2012/13 Soziologie HF Prof. Dr. Lamla Jörn