Uni-Düsseldorf
14. März 2017Seminar Die Ukraine nach dem Zweiten Weltkrieg 1944-1964
Auf der Konferenz von Jalta wurden die vor dem Zweiten Weltkrieg auf vier Staaten verteilten ukrainischen Gebiete der Sowjetunion zugeschlagen. In der Vorstellung der Sowjetführung unter Stalin sollte nun ein gigantisches Social engineering-Projekt, begleitet von massiver Russifizierung, Widerstände beseitigen und...
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Jetzt Lernplan erstellenAuf der Konferenz von Jalta wurden die vor dem Zweiten Weltkrieg auf vier Staaten verteilten ukrainischen Gebiete der Sowjetunion zugeschlagen. In der Vorstellung der Sowjetführung unter Stalin sollte nun ein gigantisches Social engineering-Projekt, begleitet von massiver Russifizierung, Widerstände beseitigen und die -rückständigen- Verhöltnisse modernisieren. Auf gewaltsame Umsiedlungen folgte die forcierte Industrialisierung. Im Labor des Nachkriegsstalinismus wurde das weitgehend agrarisch, aber bis zum Vernichtungsfeldzug der Deutschen auch von seiner polyethnischen Stadtkultur geprägte Galizien zum -sowjetischen Westen-. Die Erinnerung an national motivierten Widerstand von Ukrainern gegen die deutsche Besatzung, an Kollaboration mit den Deutschen und Beteiligung von Ukrainern an der Ermordung der Juden blieb auch nach Stalins Tod tabuisiert. Die offizielle Geschichtspolitik gipfelte 1954 im pompösen 300-jährigen Jubiläum des Vertrags zwischen Moskau und dem ukrainischen Kosakenhetmanat. Im selben Jahr erhielt die Ukraine die Krim als -Freundschaftspfand des russischen Volkes-. Währenddessen setzte die ukrainische Untergrundbewegung ihren Guerillakampf gegen die Sowjetmacht fort. In den Phasen des -Tauwetter- unter Chruschtschow und darüber hinaus setzten sich Intellektuelle, zeitweise mit Unterstützung der Parteielite in der Republik, für die Emanzipation der ukrainischen Sprache und Kultur ein. Antiautoritär gesinnte junge Ukrainer/-innen wiederum orientierten sich jenseits von Sowjetideologie und Nationalbewusstsein an der westlichen Jugendkultur und prägten das für die spätsowjetischen Machthaber so unbequeme Ende der Chruschtschow-Ära mit.
Die ukrainische Zeitgeschichte bildet ein Reservoir für die Polarisierung weltanschaulicher Positionen im Zeichen von Majdan und Antimajdan. Sie ist aber auch ein offenes Forschungsfeld. Pionierstudien nutzen die ganze Palette der Quellen von Akten bis Zeitzeugeninterviews, um ideologischen Deutungen wissenschaftliche gegenüberzustellen. Die Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung mit Quellen und Literatur ist Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar; spezielle Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich. Englische Texte müssen jedoch gelesen werden.
Erwartet wird neben der regelmäßigen und aktiven Teilnahme die Übernahme eines kurzen Referates. Die benotete Abschlussprüfung besteht im Verfassen einer schriftlichen Seminararbeit.
Erste Literaturhinweise:
Andreas Kappeler, Kleine Geschichte der Ukraine, 4. überarbeitete Auflage, München 2014, S. 215-245.
Orest Subtelny, Ukraine. A History, 4. Auflage, Toronto; Buffalo; London, 2009, S. 453-509.
Katrin Boeckh, Stalinismus in der Ukraine: Die Rekonstruktion des sowjetischen Systems nach dem Zweiten Weltkrieg, Wiesbaden 2007.
William Risch, A Soviet West: nationhood, regionalism, and empire in the annexed western borderlands. Nationalities Papers 43 (2015), 1, S. 63-81.
Geschichte (MA, PO 2013)
Universität Düsseldorf
WiSe 2016/17
Dr.
Rustemeyer Angela