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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Ehe und Theater von Ibsen bis Jelinek

-Man hört, wie unten die Haustür dröhnend ins Schloss fällt.- Mit dieser Regieanweisung endet Hendrik Ibsens Drama -Ein Puppenheim-, nachdem Nora ihren Ehemann und die Kinder verlassen hat. Dieser Ausgang ist nicht nur dramentheoretisch ungewöhnlich, sondern vor allem, weil Ehekonflikte...

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-Man hört, wie unten die Haustür dröhnend ins Schloss fällt.- Mit dieser Regieanweisung endet Hendrik Ibsens Drama -Ein Puppenheim-, nachdem Nora ihren Ehemann und die Kinder verlassen hat. Dieser Ausgang ist nicht nur dramentheoretisch ungewöhnlich, sondern vor allem, weil Ehekonflikte in der Literatur des 19. Jahrhunderts meist mit dem Tod der Ehefrau enden, sei es Anna Karenina, Emma Bovary oder Effi Briest. Ausgehend von Ibsens 1879 uraufgeführtem Drama, das in der deutschen Übersetzung meist -Nora oder Ein Puppenheim- heißt, soll es im Seminar um vier Themenkomplexe gehen: Erstens werden literaturwissenschaftliche Deutungsansätze und Interpretationsmöglichkeiten des Textes besprochen. Zweitens soll das Drama im Kontext literarischer Ehemodelle um 1900 diskutiert werden, hier stehen neben Texten zur Theorie der Ehe auch Dramen wie Arno Holz und Johannes Schlafs -Familie Selicke- sowie Arthur Schnitzlers -Reigen- auf dem Programm. Drittens geht es aus aufführungsanalytischer Perspektive um aktuelle Inszenierungen von Ibsens -Nora-, hier kommen etwa die Produktionen von Thomas Ostermeier (Berlin, 2003), Herbert Fritsch (Oberhausen, 2011) und Michael Thalheimer (Frankfurt, 2014) in Frage. Im vierten Segment soll es schließlich um Fortsetzungen von Ibsens -Nora- gehen. Elfriede Jelinek stellt bereits 1977 im Titel eines Dramas die Frage -Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte-?; 2013 verfasst sie den Theatertext -Nach Nora-, in dem sie sich wiederum auf Ibsens Drama bezieht. FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WiSe 2014/15 Germanistik binational Dr. Wicke Andreas