Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Erinnern Erfinden Erzählen Geschichtsbewußtsein im mittelalterlichen England
Aufzuzeigen wie es eigentlich gewesen ist, war nach Ansicht Leopold von Rankes (1886) das Ziel der Geschichtswissenschaft. Die Geschichtsschreibung des Mittelalters war daher im 19. und 20. Jahrhundert der Steinbruch für die Ereignisgeschichte, deren Wert am Realitätsgehalt der Informationen gemessen...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenAufzuzeigen wie es eigentlich gewesen ist, war nach Ansicht Leopold von Rankes (1886) das Ziel der Geschichtswissenschaft. Die Geschichtsschreibung des Mittelalters war daher im 19. und 20. Jahrhundert der Steinbruch für die Ereignisgeschichte, deren Wert am Realitätsgehalt der Informationen gemessen wurde. Einzelne Aussagen oder sogar ganze Werke wurden so als tendenziös und wertlos eingestuft. Neuere Ansätze machen die mittelalterliche Geschichtsschreibung selbst zum Gegenstand der Forschung: als Ergebnis der Auseinandersetzung einer Person mit der Vergangenheit und damit als zielgerichteter, an die Gegenwart des erinnernden, erfindenden und erzählenden Menschen gebundener Vorgang. Als solcher ist Historiographie sowohl Quelle für das Geschichtsbewusstsein eines Autors als auch für die Vorstellungswelt seiner Zeit.
Anhand der bedeutendsten Chronisten des englischen Früh- und Hochmittelalters werden wir in diesem Seminar erkunden, welche Funktionen Geschichte in der jeweiligen Zeit übernahm, welche Ansprüche die Autoren und die Gesellschaft an Geschichtsschreibung stellten, welche Schwierigkeiten dabei zu überwinden waren und welcher Methoden man sich bediente.
Darüber hinaus werden wir ermitteln, welche Konsequenzen sich damit für uns, die wir versuchen, aus den historiographischen Quellen Erkenntnisse über vergangene Gesellschaften zu gewinnen, ergeben. Wir werden Ansätze und Methoden kennenlernen, die uns dabei helfen können, neue Fragen an alte Quellen zu stellen.
Die Bereitschaft zur intensiven Lektüre auch englischer Texte wird vorausgesetzt.
Michael Brauer, Quellen des Mittelalters (UTB), Paderborn 2013, Kap. 5; Christopher Given-Wilson, Chronicles : the writing of history in medieval England, London 2004; Sarah Foot, Annales and Chronicals in Western Europe, in: Oxford History of Historical Writings 2, Oxford 2012, S. 346-367; Hans-Werner Goetz, Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein im hohen Mittelalter (Orbis mediaevalis. Vorstellungswelten des Mittelalters 1), Berlin 1999.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2015/16
Geschichte
Foerster Anne