Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Es sind eben Barbaren Reiseerfahrungen im Mittelalter
Es sind eben Barbaren: mit Trägheit geschlagen, mit Wildheit gestraft, von keiner höheren Bildung erhoben urteilte der italienische Reisende Giovanni Antonio Campano über die Deutschen, die zudem wenig klug, gesittet und kenntnisreich seien. Aber auch über die Neigung zum Trunke...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenEs sind eben Barbaren: mit Trägheit geschlagen, mit Wildheit gestraft, von keiner höheren Bildung erhoben urteilte der italienische Reisende Giovanni Antonio Campano über die Deutschen, die zudem wenig klug, gesittet und kenntnisreich seien. Aber auch über die Neigung zum Trunke und die widerwärtigen Speisegewohnheiten beklagte sich der Humanist, der in seinem Exil Speisen, Kultur und Sitten seiner Heimat vermisste. Das Bild der deutschen Barbaren mit den dazugehörigen Assoziationen war jedoch nichts Neues, sondern seit der Antike präsent und wurde auch durch nachfolgende Reisende immer wieder bestätigt. Stereotype Beschreibungen fremder Kulturen und Weltregionen egal ob nah oder fern dienten vor allem dazu die Unterschiede der eigenen gegenüber der bereisten zum Teil fremden Kultur kenntlich zu machen. Daher können wir heute aufgrund dieser Reiseberichte nicht nur die gängigen Vorstellungen und individuellen Wahrnehmungen von der Welt nachvollziehen, sondern auch begreifen wie eigene Identitäten über gezielte Berichterstattungen konstruiert wurden.
Die Anlässe, Motive und Ziele sich auf Reise zu begeben waren vielfältig. Es gab Pilger, Missionare, Kaufleute, Adelige, Gelehrte und Abenteurer, die ihre vielschichtigen und nachhaltigen Erfahrungen in für die Daheimgebliebenen festhielten. Im Seminar sollen daher ausgewählte Reiseberichte näher betrachtet und in ihren sozialen, geistesgeschichtlichen, politischen und historischen Kontext eingeordnet werden. Es sollen die Bedingungen auf Reisen, Beweggründe zu Reisen und schließlich die Schilderungen von Wahrnehmungen und Erfahrungen naher, ferner und fremder Kulturen und Weltregionen untersucht und erörtert werden.
Quellen zur Geschichte des Reisens im Spätmittelalter (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 46), hrsg. v. Folker Reichert, Darmstadt 2009; Norbert Ohler, Reisen im Mittelalter, Darmstadt 2004; Folker Reichert, Erfahrung der Welt. Reisen und Kulturbegegnung im späten Mittelalter, Stuttgart 2001.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2016/17
Geschichte
Thissen Rebekka