Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Europa nach der Krise Politische Bidung in entgrenzten Demokratien
Ziele und Methoden der Seminargestaltung Was lernen wir aus den gesellschaftlichen Krisen in Europa? Politische Bildung findet nicht nur im Unterricht und in Uni-Seminaren statt. Vielfach wird die nachhaltige Vertrauens- und Legitimationskrise der EU auch auf Defizite der Information und...
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Was lernen wir aus den gesellschaftlichen Krisen in Europa? Politische Bildung findet nicht nur im Unterricht und in Uni-Seminaren statt. Vielfach wird die nachhaltige Vertrauens- und Legitimationskrise der EU auch auf Defizite der Information und politischen Kommunikation, also auf eine fehlende politische Kultur und europäische Öffentlichkeit zurückgeführt. Politische Willensbildung und demokratische Legitimation sind untrennbar mit Lernprozessen verbunden. Wie werden (mehr oder weniger demokratisch getroffene) Entscheidungen dargestellt? Auf welche Weise werden (junge) Menschen mobilisiert und informiert: nicht nur in Parteien, sondern auch in Gewerkschaften, NGOs (wie Attac, Greenpeace oder Lobbycontrol) oder in themenbezogenen Bündnissen und Kampagnen (z.B. Steuer gegen Armut; Stop-TTIP: EBI)? Welche Handlungskompetenzen und Strategien eigenen sich Akteure in ihren politischen Aktionen und sozialen Kämpfen an? Welche Konflikte werden ausgetragen, wie wird mit Misserfolg und politischer Ohnmacht umgegangen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine Didaktik der Politischen Bildung, die politisches Lernen in schulischen, außerschulischen (NGOs, Stiftungen etc.) und in informellen Kontexten politischer Aktionen, öffentlicher Kommunikationen und in sozialen (Deutungs-)Kämpfen thematisiert.
Politisches Lernen ist ohne eine Berücksichtigung der europäischen Perspektive in kaum einem Politikfeld mehr sinnvoll praktizierbar, da sowohl politische Probleme als auch deren Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten nicht allein auf nationaler (und lokaler) Ebene verstehbar und durchsetzbar sind. Komplexitäts- und Entgrenzungserfahrungen müssen kognitiv und emotional verarbeitet werden. Im Seminar werden (I) die Herausforderungen eines europabezogenen Ansatzes der Politischen Bildung geklärt. In einem zweiten Schwerpunkt (II) erarbeiten wir uns einen herrschaftskritischen Ansatz zur fachlichen Analyse aktueller Konflikte und sozialer Kämpfe (u.a. zur Migrationspolitik). Im dritten Teil (III) entwickeln und erproben die Teilnehmer*innen Bildungsprojekte (für Schule, Universität oder außerschulische Bildung in NGOs, Gewerkschaften etc.), die das Demokratiedefizit und mögliche Wege der Demokratisierung der EU exemplarisch problematisieren.
Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft zur regelmäßigen Lektüre der Seminartexte.
Als Studienleistung haben Sie drei unterschiedliche Optionen:
• Sie gestalten eine interaktive Seminarsitzung (ca. 30 bis max. 45 min). Dabei sind Sie Moderator*in eines problem- und teilnehmerorientierten Lernprozesses. Sie moderieren die Diskussion des Seminartextes anhand ausgewählter Fragen und Thesen. Sie sorgen für eine anschauliche und verständliche Ergebnissicherung (ausführliches Thesenpapier ca. 2 Seiten). Für einen möglichen Input (Kurzreferat/Präsentation) sollten Sie nicht mehr als 10 Minuten einplanen. (Die Seminargestaltung ist auch zu zweit in Partnerarbeit möglich.)
• Sie verfassen zu zwei Sitzungen ein Reflexionspapier (jeweils 1-2 Seiten). Darin setzen Sie sich mit der Seminarlektüre auseinander: was ist Ihnen besonders wichtig, was bleibt unverständlich, welche weiteren Fragestellungen ergeben sich?
• Sie verfassen zu einer Sitzung ein Reflexionspapier und erläutern zu einer anderen Sitzung eine Idee für ein Bildungs-/Unterrichtsprojekt (fachdidaktische Perspektive: Zielgruppe, Thema, inhaltliche Schwerpunkte, Lernziele, evtl. erste methodische Ideen).
Als Prüfungsleistung verfassen Sie zusätzlich zur (bzw. aufbauend auf Ihre) Studienleistung eine Hausarbeit (10-15 Seiten). Thema und (vorläufige) Gliederung stellen Sie in der letzten Sitzung vor. Abgabe Semesterende (Anfang April 2017).
Attac (Hrsg.) 2015: Europa nach der Krise? Attac Bildung: Wirtschaft demokratisch gestalten lernen, Frankfurt/M. (fünf Module Bildungsmaterialien zur Vielfachkrise in Europa als Download: http://www.attac.de/bildungsangebot/bildungsmaterial/material-eurokrise/)
Attac (Hrsg.) 2016: TTIP & Co: Handelsvertrag sticht Demokratie? Attac Bildung: Wirtschaft demokratisch gestalten lernen, Frankfurt/M. (zwei Module Bildungsmaterialien zur Handelspolitik der EU als Download: http://www.attac.de/bildungsangebot/bildungsmaterial/material-ttip-co/)
Blätter für deutsche und internationale Politik (Hrsg.) 2013: Demokratie oder Kapitalismus. Europa in der Krise, Berlin
Demirovic, Alex (Hrsg.) 2016: Transformation der Demokratie demokratische Transformation, Münster
Eis, Andreas 2010: Europäische Bürgerschaftsbildung. Die Neukonstruktion der Bürgerrolle im europäischen Mehrebenensystem, Schwalbach/Ts. 2010
Eis, Andreas 2013: Der europabezogene Ansatz: Politische Bildung in entgrenzten Demokratien, in: Deichmann, Carl/Tischner, Christian K. (Hrsg.): Handbuch Dimensionen und Ansätze in der politischen Bildung, Schwalbach, S. 129-144
Eis, Andreas 2015: Europa. Online-Dossier, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/politische-bildung/193095/europa
Forschungsgruppe Staatsprojekt Europa (Hrsg.) (2014): Kämpfe um Migrationspolitik. Theorie, Methode und Analysen kritischer Europaforschung. Bielefeld
Tömmel, Ingeborg 2014: Das politische System der EU, 4. überarbeitete und erweiterte Aufl., München
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2016/17
Politik und Wirtschaft Zweitfach
Prof. Dr.
Eis Andreas