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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Frei oder doch determiniert wie kann man Kausalität und Freiheit zusammenbringen Die Frage nach Kausalität zwischen Aristotelismus und Stoizismus

Frei oder doch determiniert? Wie kann man Kausalität und Freiheit zusammenbringen? Alexander von Aphrodisias, der bedeutendste Ausleger Aristoteles in der Antike, schickte dem damaligen Kaiser Septimius Severus (um das Jahr 204 n. Chr.) ein kleines Buch, in dem er die...

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Frei oder doch determiniert? Wie kann man Kausalität und Freiheit zusammenbringen? Alexander von Aphrodisias, der bedeutendste Ausleger Aristoteles in der Antike, schickte dem damaligen Kaiser Septimius Severus (um das Jahr 204 n. Chr.) ein kleines Buch, in dem er die Freiheit des menschlichen Handelns gegen den Determinismus der Stoiker zu verteidigen versuchte. Gemäß den Stoikern wohnt den Gesetzen, die für Ordnung und Sinn des Kosmos sorgen, eine Notwendigkeit inne, die jede echte Handelsfreiheit ausschließt. Aber wie funktioniert eigentlich diese Notwendigkeit? Oder, wie es Alexander formuliert, welche Auffassung der Kausalität verbirgt sich hinter einer angeblich todsicheren Betrachtung? Alexander macht seine Leser mit der Kausalitätslehre Aristoteles vertraut und konfrontiert sie anschließend mit der stoischen Auffassung. Der Leser gewinnt somit interessante Kenntnisse über die damaligen Konzepte der Freiheit und der Kausalität. Im Lauf des Seminars werden wir auch zu Passagen anderer Autoren kommen, wie Epiktet, Sextus Empiricus und Seneca, die diese Thematik aufgreifen und weiterführen. Dabei entdeckt man, wie die Stoiker eine relativ moderne Auffassung der Wirkungsursache benutzen, während die aristotelische, trotz all ihrer Erfolge in der Geschichte der Philosophie, in Vergessenheit geraten oder unverständlich geworden ist. Dieser alte Streit wird sich in den Jahrhunderte wiederholen, verkompliziert durch religiöse, dann subjektivistische und schließlich wissenschaftliche Verwicklungen. Die Schrift Alexanders zeigt uns dabei, wie wichtig es ist, hinter die Selbstverständlichkeiten zu schauen, auf die sich eine Weltanschauungen gründet, ohne jedoch den Aristotelismus des Autors annehmen zu müssen.   Die zu besprechenden Texte werden in einem Reader gesammelt oder im Verlauf des Seminars zur Verfügung gestellt.   Alexander von Aphrodisias, Über das Schicksal, übersetzt und kommentiert von Andreas Zierl, Akademie Verlag, Berlin 1995. FB 02 Institut für Philosophie Uni Kassel SoSe 2016 Lehrveranstaltungspool FB 02 Philosophie HF Bartalucci Marco