Uni-München
14. März 2017Seminar Hand und Dichtung A2
Denkt man an die Hand, so überrascht es, dass bereits Aristoteles sie zum -Organ der Organe- macht und Quintilian die Gesten der Hand als -Universalsprache- bezeichnet, während sich andererseits jedoch kaum theoretisch oder strukturell konzise Überlegungen zu diesem unabdingbaren Instrument...
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Jetzt Lernplan erstellenDenkt man an die Hand, so überrascht es, dass bereits Aristoteles sie zum -Organ der Organe- macht und Quintilian die Gesten der Hand als -Universalsprache- bezeichnet, während sich andererseits jedoch kaum theoretisch oder strukturell konzise Überlegungen zu diesem unabdingbaren Instrument der Kunst finden. Dies gilt vor allem angesichts der Bedeutung der Hand für das literarische Schreiben.
Ausgangspunkt des Seminars wird diesbezüglich die Behauptung sein, dass gerade die Moderne ein prominentes wie problematisches Erscheinen der Hand erfährt. Dabei agiert die Hand weniger als bloße Metapher oder Motiv des literarischen Schreibens. Vielmehr wird sie in ihrer Tätigkeit als schreibende Hand manifest und schwankt dabei ständig zwischen ihrer Zugehörigkeit zu Geist oder Körper, Intelligibilität oder Sinnlichkeit, Vitalität oder Instrumentalität und nicht zuletzt zwischen Subjektivität und Objektivität. An der Grenze ihrer rein körperlichen zu ihren schöpferischen Vermögen thematisiert die Hand nicht nur die Spaltung des modernen Subjekts, sondern wirft auch eine Reihe methodologischer Fragen auf, darunter die Frage nach dem Gegensatz zwischen bloßem Handwerk und kreativem Künstlergenie sowie dem Umgang mit Materialität, Textur und Körperlichkeit des Literarischen.
An der gemeinsam Lektüre und Diskussion literarischer Texte von Franz Kafka über Rainer Maria Rilke bis hin zu Paul Valéry und Honoré de Balzac und unter Bezugnahme früher Photographien und Filmbeispiele des Weimarer Kinos (u.a. Orlacs Hände, M. Eine Stadt sucht einen Mörder) werden wir versuchen, die Auseinandersetzung von Dichtern, Künstlern und Denkern mit den poetischen Implikationen der Hand zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachzuvollziehen. Den konzeptuellen Rahmen bilden dabei erläuternde Texte von Denis Diderot bis Maurice Merleau-Ponty.
Seminarbeginn ist der 18. Mai 2015. Die fehlenden Sitzungen werden am Ende in einer Blocksitzung nachgeholt.
Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen.
ECTS:
BA HF: 6 ECTS (Hausarbeit oder Essays bzw. Referat, benotet)
MA HF: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet)
SLK:3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet), 6 ECTS (Hausarbeit, benotet)
MA NF: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet)
Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie.
Wenn Sie eine Hausarbeit im Nebenfach SLK schreiben möchten, sprechen Sie bitte vorab mit der Studiengangskoordination SLK!
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20).
Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
LMU München
SoSe 2015
Nordistik
Department I Germanistik Komparatistik Nordistik Deutsch als Fremdsprache