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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Kollaborationen und Grenzen der Partizipation

Künstlerische Projekte, die auf einer Zusammenarbeit mit so genannten Teilöffentlichkeiten basieren, d.h. mit Gruppen von Leuten, die mit Kunst zunächst einmal nichts zu tun haben, aber bestimmte gemeinsame Kriterien erfüllen, werden als Kollaborationen bezeichnet. Der Begriff Kollaboration im neutralen Sinn...

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Künstlerische Projekte, die auf einer Zusammenarbeit mit so genannten Teilöffentlichkeiten basieren, d.h. mit Gruppen von Leuten, die mit Kunst zunächst einmal nichts zu tun haben, aber bestimmte gemeinsame Kriterien erfüllen, werden als Kollaborationen bezeichnet. Der Begriff Kollaboration im neutralen Sinn von Zusammenarbeit ist im kulturellen Bereich aus dem Englischen übernommen worden; im deutschen Sprachgebrauch ist er im Gegensatz zu dem Begriff der Kooperation herkömmlich negativ konnotiert, bezeichnet er doch die Zusammenarbeit mit dem Feind, etwa die der französischen Helfer der NS-Besatzung. Im Kunstkontext wird diese Ambivalenz als leichte Provokation benutzt; der Begriff steht also auch für das Eindringen eines „Dilettanten“ - des Künstlers - in ihm fremde Zusammenhänge, mit der Hoffnung auf produktive Reibung an gesellschaftlichen Realitäten. So bestand beispielsweise die Arbeit von Jeremy Deller für die Skulptur Projekte Münster im vergangenen Sommer darin, den zahlreichen Laubenkolonien in Münster das Führen einer Chronik aufzuerlegen und Taschentuchbaum-Samen zu verteilen, die innerhalb der kommenden 10 Jahre - bis zu den nächsten Skulptur Projekten - zu blühenden Bäumen herangezogen werden sollen. Während das Konzept mit wenigen Worten umrissen ist, spielt sich das Wesentliche der künstlerischen Arbeit, die persönliche Auseinandersetzung des Künstlers mit den Hobbygärtnern in den zwei repräsentativ ausgewählten Vereinen, für die Wahrnehmung der kunstinteressierten Besucher in Münster weitgehend unsichtbar ab. Im Moment der Enttäuschung der Erwartung stellt sich unmittelbar die Frage nach der Dokumentation der Arbeit, gewissermaßen als Trost für die, die nicht dabei sein dürfen, ein. Die documenta 12 wartete gleich mit einer ganzen Reihe von Arbeiten auf, die für die Ausstellungsbesucher „nur“ in Form einer - oft spärlichen - Dokumentation zu erfahren waren. Der Fokus der Einbeziehung scheint sich damit vom Ausstellungspublikum auf eine kunstferne Öffentlichkeit verschoben zu haben; möglicherweise geht es aber auch darum, ein vielleicht zu routiniertes Publikum auszuschließen. Im Seminar soll anhand ausgewählter Beispiele über Wahrnehmbarkeit, die Frage der Dokumentation und die Grenzen partizipativer künstlerischer Arbeiten diskutiert werden. Damit schließt sich das Seminar an das im vergangenen Semester stattgefundene an, die Teilnahme an letzterem ist jedoch keine Voraussetzung. Kunsthochschule Kassel Uni Kassel WS 2007/2008 Kunstwissenschaft M.A. Strippel Tina M.A