Uni-München
14. März 2017Seminar Lektüre ausgewählter patristischer und liturgischer Texte der Orthodoxen Kirche
Das Gebet ist sozusagen die Seele des Christentums. Christus selbst steht in der Tradition seines Volkes und spricht mit den Gläubigen Israels das Gebet seiner Väter, hauptsächlich die Psalmen, wie uns die Evangelien zeigen. Das Gebet der Gemeinschaft der Apostel...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Gebet ist sozusagen die Seele des Christentums. Christus selbst steht in der Tradition seines Volkes und spricht mit den Gläubigen Israels das Gebet seiner Väter, hauptsächlich die Psalmen, wie uns die Evangelien zeigen. Das Gebet der Gemeinschaft der Apostel wurzelt in der Schrift und unmittelbar im Gebet, das Jesus ihnen anempfiehlt, im Vaterunser. Die Kirche begnügt sich nicht damit, das Erbe der Bibel anzutreten, ihr erscheint das ganze geschichtliche Geschehen dank dem Kommen Christi in einem neuen Licht. Er ist von jetzt an der Mittler, der den ganzen Lauf der Zeit erhellt. Der hl. Ignatius von Antiochien richtet in seinen Briefen Gebete an Christus. Das Mittleramt Christi wird im Gebet der Märtyrer besonders deutlich. Gebet und Liturgie sind untrennbar miteinander verbunden. Die Heilige Schrift inspiriert Gebet und liturgisches Wirken. Die heiligen Väter bezeichnen das Gebet als wahre Theologie und präzisieren, dass die christliche Theologie aus dem Gebet und der Erfahrung stammt. Wenn das Gebet das gemeinsame Werk von Mensch und Gott ist, dann hängt es vom Menschen ab, all seine Kraft einzusetzen und sich unentwegt zu mühen, doch allein Gott ist es, der die Früchte schenkt. Das Gebet ist eine spirituelle Arbeit. Das Ideal des Christentums ist es, einen Zustand zu erlangen, in dem sich das ganze Leben in Gebet verwandelt und jede Tat und jeder Gedanke vom Gebet durchdrungen ist.
O. Cullmann, Das Gebet im Neuen Testament, Tübingen 1994. J. Daniélou, Gebet als Quelle christlichen Handelns, Einsiedeln 1994. P. Evdokimov, Das Gebet der Ostkirche, Graz 1986. A. G. Hamman, Das Gebet in der Alten Kirche, Bern-Frankfurt a.M.-New York u.a. 1989. E. Jungclaussen, Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers, Freiburg in Br. 2000. H. Löhr, Studien zum frühchristlichen und frühjüdischen Gebet, Tübingen 2003. Ders., Die Gottesschau im palamitischen Hesychasmus, 3. Aufl., Würzburg 1986. H. Klein - V. Mihoc - K.-W. Niehbuhr (Hgg.), Das Gebet im Neuen Testament, Tübingen 2009. J. Meyendorff, Byzantine Hesychasm. Historical, Theological and Social Problems, London 1974. B. Miller, Weisung der Väter. Apophthegmata Patrum, auch Gerontikon oder Alphabeticum genannt, Freiburg 1965.
LMU München
SoSe 2015
Institut für Orthodoxe Theologie