Uni-Düsseldorf
14. März 2017Seminar Wahrnehmung und Medialität Rahmung und Affekt
Das Gefährdetsein des Lebens erlegt uns bestimmte Pflichten auf. Wir müssen nach den Bedingungen fragen, die es uns ermöglichen, ein Leben oder eine bestimmte Gruppe von Leben als gefährdet wahrzunehmen oder die uns diese Wahrnehmung umgekehrt erschweren oder unmöglich machen....
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenDas Gefährdetsein des Lebens erlegt uns bestimmte Pflichten auf. Wir müssen nach den Bedingungen fragen, die es uns ermöglichen, ein Leben oder eine bestimmte Gruppe von Leben als gefährdet wahrzunehmen oder die uns diese Wahrnehmung umgekehrt erschweren oder unmöglich machen. [...] Die ,Raster´oder ,Rahmen´, mit deren Hilfe unterschieden wird zwischen solchen Leben, die wir wahrnehmen können, und solchen, die wir nicht wahrnehmen können, strukturieren nicht nur unsere visuelle Erfahrung, sondern bringen auch spezifische Ontologien des Subjekts hervor. (Judith Butler, Raster des Krieges) Wenn wir mit der amerikanischen Philosophin und Queer-Theoretikerin Judith Butler davon ausgehen, dass unsere unmittelbare Wahrnehmung immer bereits von medialen Bedingungen der Wahrnehmbarkeit abhängt, d.h. einer medial verfassten kulturellen Sphäre entspringt, die dem bewussten Erleben in gewisser Weise vorausgeht, die den Bereich des Erscheinens, des Erfahrbaren, überhaupt erst konstituiert und zugleich (provisorisch) begrenzt, dann ist Wahrnehmung nicht als etwas inneres zu verstehen, vielmehr ginge es darum nach den medialen Formen, Prozessen und Konfigurationen zu fragen, in denen sich Wahrnehmung ereignet. Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Situation erscheint es dabei um so dringlicher jene medialen Bedingungen kritisch zu befragen, die in problematischer Weise die Wahrnehmbarkeit des Eigenen und Fremden rahmen, Affekte binden und mobilisieren. Dass Wahrnehmung medial konstituiert ist, bedeutet indes gerade nicht, dass sie äußerlich determiniert oder fixiert wäre, vielmehr impliziert die iterative Prozessualität von Mediengefügen immer bereits ein mit Butler gesprochen Wegbrechen des Rahmens von sich selbst, d.h. die Entrahmung, die Öffnung und Unterbrechung, die die vertraute Sicht der Dinge erschüttert, wäre vielmehr als das eigentliche mediale Potential zu Umkehrungen und Subversionen zu denken, welches ein Anders-Wahrnehmen eröffnet.
Institut für Medien- und Kulturwissenschaft
Universität Düsseldorf
WiSe 2016/17
Handel Lisa