Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Literatur und Klimawandel
Seit den 1980er Jahren zählt der Klimawandel, die Prognose der Erderwärmung, zu den in Politik und Medien vorherrschenden mittleren Erzählungen. Das normalistische Narrativ, das eine Katastrophe und dringenden Handlungsbedarf anmahnt und ausmalt, wird von spezialdiskursiven Hypothesen der Klimaforschung getragen, die...
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Jetzt Lernplan erstellenSeit den 1980er Jahren zählt der Klimawandel, die Prognose der Erderwärmung, zu den in Politik und Medien vorherrschenden mittleren Erzählungen. Das normalistische Narrativ, das eine Katastrophe und dringenden Handlungsbedarf anmahnt und ausmalt, wird von spezialdiskursiven Hypothesen der Klimaforschung getragen, die sich zu einer natur- und sozialwissenschaftlichen Mega-Scienes entwickelt hat. Insbesondere die Medien haben die interdiskursive Funktion das wissenschaftliche Spezialwissen der Experten zu popularisieren und durch symbolische Kodierung dem Laien verständlich und sinnhaft zu machen. Zwischen den technisch operativen, auf Denotation und Eindeutigkeit zielenden, Expertendiskursen des Weltklimaforschungsprogramms und den symbolisierenden, konnotationsstarken, Wissen subjektivierenden Mediendiskursen entfaltet sich die erzählende Literatur, die die elementarliterarischen Narrative, wie Liebe, Feindschaft, Kampf und Tod, mit dem wissenschaftlichen Forschungs- und Objektfeld der Klimatologie sowie medialen Thema des Klimawandel verkoppelt.
Das Seminar stellt den literatur- und kulturwissenschaftlichen Ansatz der generativen und materialistischen Diskursanalyse der Literatur vor und wird die an Michel Foucault orientierten und von dem Literaturwissenschaftler Jürgen Link systematisch entwickelten diskurstheoretischen Kategorien ›Spezialdiskurse‹, ›Interdiskurse‹, ›Elementardiskurs‹, ›Kollektivsymbolik‹ und ›Mythen‹ entfalten. Literatur soll in struktur-funktionaler Perspektive durch die für moderne, arbeitsteilige und funktional ausdifferenzierte Gesellschaften wichtige Aufgabe der Diskursintegration und das literarische Produktionsmodell des Kreativzyklus bestimmt werden. Anhand des Themas Klimawandel soll also konkret beschrieben werden, wie die Literatur unterschiedliche Spezialwissensbereiche mittels Symbolisierung und Narrativierung popularisiert und wie sich literarisches Schreiben als Assoziation beziehungsweise Verknüpfung von spezialdiskursiven, interdiskursiven und elementardiskursiven Wissensformen entfaltet und realisiert.
In den ersten Sitzungen werden der theoretische Rahmen, die Begriffe und Konzepte systematisch und anschaulich gemeinsam erarbeitet. Dem folgt eine erste Anwendung der literatur- und kulturwissenschaftlichen Begriffe und Werkzeuge, indem zum einem der institutionalisierte Bereich der Klimaforschung und das Objektfeld des Klimawandels umrissen und zum anderen anhand von Zeitungs- und Fernsehmaterial die Symbolisierungen und narrativen Reproduktionsschemata des Mediendiskurs analysiert werden. In den darauffolgenden acht Sitzungen werden die vier literarischen Texte verteilt auf Arbeitsgruppen vorgestellt und in der entwickelten und eingeübten Perspektive exemplarisch analysiert. Das Augenmerk soll hierbei auch darauf liegen, ob die Literatur angesichts der wissenschaftlichen Prognosen und medialen Katastrophenszenarien komplexe und diffizile Fragen aufzubieten hat und welche intervenierenden und subversiven Positionen und politischen Phantasien sie in diesem Feld des Wissens darbietet.
Das Seminar richtet sich sowohl an BA-Lehramtsstudierende in den Bereichen Gymnasium und Gesamtschule, Berufskolleg sowie Haupt-, Real-, und Gesamtschule als auch an Studierende der Angewandten Literatur- und Kulturwissenschaft.
T. C. Boyle: Ein Freund der Erde, München: dtv 2003 (ISBN 978-3-423-13053-0) [9,90 Euro]; T Cooper: Beaufort, Zürich, Hamburg: Arche Literatur Verlag 2009 (ISBN 978-3-7160-2625-0) [24,00 Euro]; Ian McEwan: Solar, Zürich: Diogenes 2012 (ISBN 978-3-257-24174-7) [11,90 Euro]; Ilija Trojanow: Eistau, München: Carl Hanser Verlag 2011 (ISBN978-3-446-23757-5) [18,90 Euro]
Anmeldung Deutsch
Technische Universität Dortmund
WiSe 2013/14
Deutsch BaMa 2005 (Bachelor)
Dr.
Thiele Matthias