Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Mobiles Leben

Bereits Anfang der 1990er Jahre sprachen Ott/Gerlinger von der -Pendlergesellschaft-, um auf die wachsenden räumlichen Distanzen von Wohn- und Arbeitsort sowie eine quantitative Zunahme des Phänomens hinzuweisen. Der Anteil -ortsfester- Personen, die seit ihrer Kindheit nicht ihre Heimatregion verlassen haben,...

Was lernst du wirklich?

In diesem Seminar tauchst du tief in das Phänomen des 'mobilen Lebens' ein, das viele Menschen aufgrund beruflicher Notwendigkeiten betrifft. Du lernst, wie sich Pendeln, Fernbeziehungen oder Zweitwohnsitze auf Individuen und die Gesellschaft auswirken und warum Mobilität oft eine unfreiwillige Entscheidung ist, obwohl sie als Chance gilt.

Das wirst du lernen

  • Die Konzepte und Ursachen von beruflicher und sozialer Mobilität kritisch analysieren können.
  • Empirische Studien zu verschiedenen Formen mobilen Lebens verstehen und interpretieren.
  • Die sozialen, psychologischen und räumlichen Auswirkungen von Mobilität auf Einzelpersonen und Familien bewerten.
  • Einen konzeptionellen Rahmen zur Erklärung der Bedeutung von Raum für menschliches Handeln und Beziehungen entwickeln.
  • Die Ambivalenz von Mobilität als Chance und Zwang differenziert diskutieren.

Passende Berufsfelder

Sozialforschung und WissenschaftPersonalmanagement und OrganisationsentwicklungStadt- und RegionalplanungSozialberatung und -arbeitPolitikberatung und öffentliche Verwaltung

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen

Offizielle Kursbeschreibung

Bereits Anfang der 1990er Jahre sprachen Ott/Gerlinger von der -Pendlergesellschaft-, um auf die wachsenden räumlichen Distanzen von Wohn- und Arbeitsort sowie eine quantitative Zunahme des Phänomens hinzuweisen. Der Anteil -ortsfester- Personen, die seit ihrer Kindheit nicht ihre Heimatregion verlassen haben, beträgt lediglich 45%. Jeder sechste Erwerbstätige zwischen 20-59 Jahren ist in einer berufsmobilen Lebensform anzutreffen. 5% unterhalten Fernbeziehungen, 4% sind Fernpendler (Schneider 2005). Im Zuge von Massenarbeitslosigkeit und einer Absenkung von Lohnersatzleistungen erhöht sich der Druck auf erwerbsfähige Personen, für den Erhalt des Arbeitsplatzes oder die Aufnahme einer Beschäftigung den Lebensort zu verlassen oder lange Wegzeiten bzw. zwei Wohnsitze in Kauf zu nehmen. Mobilität gilt weithin als Chance für neue Erfahrungen und als Option der Selbstverwirklichung, wird subjektiv jedoch häufig negativ bewertet. Für das Gros der Personen, die für ihre Erwerbstätigkeit den Lebensort verlassen, fernpendeln oder einen Zweitwohnsitz errichten, ist - ebenso wie für ihre Angehörigen - von einer weitgehend unfreiwilligen Mobilität auszugehen: Viele Menschen nehmen Mobilität in Kauf, um Aufstiegschancen zu verbessern oder die Beschäftigung abzusichern, doch ist dies häufig eine Entscheidung mangels Alternative vor Ort. Im Seminar werden wir zunächst einen konzeptionellen Zugang erarbeiten, mit dem wir die Bedeutung des Raumes als handlungs- und beziehungsstrukturierendes Moment erklären können. Wir sichten anschließend verschiedene empirische Studien, die Daten zu unterschiedlichen Formen mobilen Lebens liefern, um daraus eine Wirkungsanalyse auf den verschiedenen Ebenen des Sozialen zu erarbeiten. In der Bibliothek wird ein Semesterapparat eingerichtet. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SS 2009 Soziologie Prof. Dr. Jürgens Kerstin