Uni-Düsseldorf
14. März 2017Seminar Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Internet Französisch Spanisch
Mündliche und schriftliche Verwendung von Sprache weisen viele Unterschiede hinsichtlich Informationsdichte und Elaboriertheit, Varietät des Wortschatzes, Satzkomplexität, Wahl der deiktischen Mittel, etc. auf, die sich auf die unterschiedlichen medialen Kommunikationsbedingungen zurückführen lassen. In Standardsprachen wie Französisch und Spanisch konnte sich...
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Jetzt Lernplan erstellenMündliche und schriftliche Verwendung von Sprache weisen viele Unterschiede hinsichtlich Informationsdichte und Elaboriertheit, Varietät des Wortschatzes, Satzkomplexität, Wahl der deiktischen Mittel, etc. auf, die sich auf die unterschiedlichen medialen Kommunikationsbedingungen zurückführen lassen. In Standardsprachen wie Französisch und Spanisch konnte sich deshalb über Jahrhunderte eine kodifizierte Schriftform ausbilden, die sich deutlich von der jeweiligen mündlichen Verwendung der Sprache unterscheidet. Diese klare Zweiteilung wurde durch die Einführung des Internet stark beeinträchtigt, da sich mit den neuen medialen Möglichkeiten die fest etablierten schriftsprachlichen Normen zu verändern beginnen und das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit neu ausgelotet werden muss. Durch das Internet ist eine technische Infrastruktur entstanden, die z. B. Mail, Newsgroups, Foren, Online-Journals, etc. allgemein verfügbar macht und starke Rückwirkungen auf die Kommunikation in modernen Gesellschaften hat. Die spezifischen Kommunikationsbedingungen im Internet beeinflussen aber nicht nur den Inhalt der übermittelten Nachrichten, sondern in hohem Maße auch deren Form. Besonders starke Auswirkungen hat dies auf Standardsprachen, da die Einhaltung der Schriftnorm in den Neuen Medien nicht mehr ausreichend überwacht bzw. sanktioniert werden kann. Demzufolge finden sich z. B. in der französischen und spanischen Mailkommunikation zunehmend Charakteristika der Mündlichkeit, die in dieser Form nur ganz selten in Briefen zu finden sind. In anonymen Live-Chats mutieren das Französische und Spanische gar zu einer Art pseudo-mündlicher Sondersprache mit neuen Techniken der Gesprächsführung und Diskursgestaltung und bisweilen finden sich schnell verändernde und oft auch schwer verständliche Formen von Jugend- und Migrantensprachen auch schon in Websites mit offiziösen Charakter.
In diesem Masterseminar sollen - im direkten Vergleich mit den traditionellen Printmedien - die sich ändernden Kommunikationsbedingungen und die Wandlungen der Schriftnorm, die das Französische und Spanische in der Internetkommunikation durchmachen, eingehender untersucht werden.
Einführende Literatur:
• Koch, Peter; Oesterreicher, Wulf (2011): Gesprochene Sprache in der Romania: Französisch, Italienisch, Spanisch. 2. Aufl. Walter de Gruyter: Berlin.
• Koch, Peter; Oesterreicher, Wulf (1985): -Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte-. In: Romanistisches Jahrbuch, 36: 15-43.
• Michel, Andreas (2008): Romania virtu@lis: Romanische Varietäten in der internetbasierten Kommunikation. Hamburg: Kova.
• Crystal, David (2006): Language and the Internet. 2nd ed. Cambridge University Press: Cambridge.
• Crystal, David (2011): Internet Linguistics: A Student Guide. Routledge: New York.
Voraussetzungen
Abgeschlossenes Bachelorstudium
Institut für Romanistik
Abgeschlossenes Bachelorstudium
Universität Düsseldorf
SoSe 2016
Univ.-Prof. Dr.
Geisler Hans Joachim