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Uni-Dortmund
14. März 2017

Seminar Peter Paul Zahl

Das literarische Projekt des Druckers und Schriftstellers Peter-Paul Zahl ist vom Versuch gekennzeichnet, -die modernere Form der Arbeiterliteratur mit der antiautoritären Revolte zu vermitteln-. Insofern findet der erste öffentliche Auftritt des West-Berliner Autors nicht zufällig im Ruhrgebiet statt. Auf Einladung...

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Das literarische Projekt des Druckers und Schriftstellers Peter-Paul Zahl ist vom Versuch gekennzeichnet, -die modernere Form der Arbeiterliteratur mit der antiautoritären Revolte zu vermitteln-. Insofern findet der erste öffentliche Auftritt des West-Berliner Autors nicht zufällig im Ruhrgebiet statt. Auf Einladung Fritz Hüsers liest er am 17. Juni 1966 im Studio des Dortmunder Hauses der Bibliotheken und wird daraufhin in die GRUPPE 61 aufgenommen. Gerade im Streit um deren programmatische Ausrichtung zeigt sich jedoch, dass Zahl ein Literaturkonzept vertritt, das sich mit traditionellen Dichotomien wie bürgerlich vs. proletarisch, künstlerisch vs. dokumentarisch oder literarisch vs. politisch nicht länger fassen lässt. Unter dem Einfluss von 68er-Bewegung und Außerparlamentarischer Opposition entwickelt er das Selbstverständnis eines Militanten, -der schrieb, druckte, buchbinderte, Flugblätter verteilte, in den Straßen kämpfte, [und] nach und nach lernte, im Kollektiv zu arbeiten-. 1972 kommen die vielversprechenden Ansätze zur kollektiven Produktion von Literatur jedoch zu einem jähen Ende, als Zahl nach einem Schusswechsel mit der Polizei verhaftet und zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird. Seine literarische Produktion bricht damit jedoch keineswegs ab. Als -Knastschreiber zu Köln-Ossendorf, Bochum und Werl- reformuliert er sein poetologisches Konzept und veröffentlicht den Schelmenroman Die Glücklichen, in dem die Literatur die Funktion des Horts einer inversen, parodistischen, enthierarchisierenden und überdies utopische Fluchtlinien aufzeigenden Alternativkultur übernimmt. Dieser Roman hat die Zahl-Rezeption nachhaltig beeinflusst. Noch in einem Nachruf auf den am 24. Januar 2011 in Port Antonio auf Jamaika verstorbenen Autor wird Zahl als -Rabelais der alten Bundesrepublik- bezeichnet. Ziel des Seminars ist es, sich möglichst intensiv mit den Texten Zahls und ihren Kontexten zu befassen. Neben Gedichten, Dramen, Krimis und Romanen sowie literaturtheoretischen Schriften werden dabei auch unterschiedliche Formen der Vertonung eine Rolle spielen. Zudem sollen im Rahmen einer kleineren Projektarbeit auch Zahls verlegerische Initiativen Gegenstand des Seminars sein. Hinter diesem Ansatz steht der Versuch, einen alternativen Zugang zur Literaturgeschichte der Nachkriegszeit zu schaffen, der von den Rändern der Kultur ausgeht und jener Signatur folgt, mit der Peter-Paul Zahl Zeit seines Lebens seine Briefe zu unterzeichnen pflegte: -Freiheit und Glück-! PRIMÄRLITERATUR: (Auswahl) Peter-Paul Zahl, Von einem, der auszog, GELD zu verdienen. Roman, Düsseldorf: Karl Rauch 1970; Peter-Paul Zahl, Eingreifende oder ergriffene Literatur. Zur Rezeption -moderner Klassik-, Frankfurt am Main: Neue Kritik 1975/1976; Peter-Paul Zahl, Die Glücklichen. Schelmenroman, Berlin: Rotbuch 1979. SEKUNDÄRLITERATUR: Ein Reader mit weiteren Texten, Dokumenten, Interviews und Sekundärliteratur wird über den EWS-Raum bereitgestellt. Institut für deutsche Sprache und Literatur Technische Universität Dortmund WiSe 2013/14 Anmeldung Deutsch Lachmann Tobias