Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Platons und Aristoteles Formenlehre Überblick Antike
Thema: Die platonische Formen- bzw. Ideenlehre gehört zum Standardwissen eines jeden Philosophieinteressierten. Nach Whitehead gilt sogar, dass die europäische Philosophie lediglich -a series of footnotes- zum platonischen Idealismus ist. Nachgefragt erklärt man meist, dass dieser einen über der Erfahrungswelt schwebenden...
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Jetzt Lernplan erstellenThema: Die platonische Formen- bzw. Ideenlehre gehört zum Standardwissen eines jeden Philosophieinteressierten. Nach Whitehead gilt sogar, dass die europäische Philosophie lediglich -a series of footnotes- zum platonischen Idealismus ist. Nachgefragt erklärt man meist, dass dieser einen über der Erfahrungswelt schwebenden Ideenhimmel behaupte. Dessen ewige Formen seien im Gegensatz zu den vergänglichen sinnlichen Dingen das -Wahrhaft-Seiende- und somit die eigentlichen Gegenstände der philosophischen Wirklichkeitserkenntnis. Aristoteles, so wiederum das populärphilosophische Statement, kritisiere dieses Wirklichkeitsverständnis als -Verdopplung der Welt- und setze eine substanzmetaphysische Konzeption dagegen: Das Wahrhaft-Seiende würden die sinnlich erfahrbaren Einzeldinge verkörpern. Damit scheint die transzendente Formenlehre Platons in Abgrenzung zur erfahrungsbasierten Substanzmetaphysik Aristoteles' philosophie-historisch ausreichend bestimmt.
Seminarziele: Ausgehend von dieser populären Entgegensetzung werden wir im Seminar zwei Ziele verfolgen: Zum einen sollen weitere Bedeutungsschichten der platonischen Formenlehre herausgearbeitet werden und zum anderen soll Aristoteles' Philosophie als kritische Modifikation dieser Formenlehre gedeutet werden. Platon, so die erste These, nutzt verschiedene Ideenkonzepte, die nicht zwingend in einer einheitlichen Formenlehre zu vereinigen sind. Aristoteles, so die zweite These, entwickelt in der Kategorienschrift und Metaphysik trotz seiner Kritik an Platon bestimmte Bedeutungen des Ideenbegriffs und somit die Formenlehre konsequent weiter. Um diese inhaltlichen Zielsetzungen zu erreichen, sollen Ausschnitte aus drei Dialogen Platons, sowie aus Aristoteles' Kategorienschrift und Metaphysik gelesen und diskutiert werden. Das Seminar ist daher vornehmlich ein Lektüreseminar mit Überblickscharakter.
Leistungsanforderungen: 1) Jeder Teilnehmer verpflichtet sich, zur Seminarvorbereitung die Texte anhand von jeweils zwei Orientierungfragen zu erschließen. Diese müssen vorab nicht (!) schriftlich beantwortet werden. Im Seminar selbst werden gezielt einzelne Passagen gemeinsam gelesen und in Bezug zu den Orientierungsfragen und Sekundärtexten diskutiert. 2) Für alle Arten der Teilnahmebescheinigungen besteht Teilnahmepflicht. Für eine aktive Teilnahme kann ein Impulsreferat gehalten, ein ausführliches Stundenprotokoll oder ein themengebundener Essay geschrieben werden. Für eine Leistungsbescheinigung kann ein Referat schriftlich ausgearbeitet oder eine themengebundene Hausarbeit erstellt werden. 3) Bereiche: Überblick Antike, B1/3, C1/2.
Die zu lesenden Textauszüge ebenso wie ausgewählte Sekundärliteratur werden als pdf- Dateien im EWS-II zur Verfügung gestellt, weshalb eine Anmeldung im EWS erforderlich ist.
Primär:
- Platon: Parmenides, Phaidon, Politea, (Timaios).
- Aristoteles: Kategorien, Metaphysik.
Überblick:
- Geschichte der Philosophie, hg. v. W. Röd, Bd. II: A. Graeser, Die Philosophie der Antike 2, München 1983, S. 86-96, 129-157.
- Historisches Wörterbuch der Philosophie: Eintrag -Idee- (Bd. 4).
Sekundär:
- Findlay, John N., Plato und der Platonismus: eine Einführung, Weinheim 1994
- Graeser, Andreas, Platons Ideenlehre: Sprache, Logik und Metaphysik, Stuttgart 1975.
- Natorp, Paul, Platos Ideenlehre: eine Einführung in den Idealismus, Hamburg 1994 (Neuausg.).
- Hartmann, Nicolai: Aristoteles und das Problem des Begriffs. Kleinere Schr. 2 (1957) 100–129; Zur Lehre vom Eidos bei Platon und Aristoteles a.a.O. 129–164.
- Schmitz, Hermann: Die Ideenlehre des Aristoteles, Bouvier-Verlag, 1985.
- Routledge Philosophy guidebook to Aristotle and the metaphysik, 2004, vor allem Kapitel 9: -Critism of platos theory of forms-.
Technische Universität Dortmund
SoSe 2012
Braun Florian